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Fernsehserie Borgia: Ein osmanischer Prinz zu Gast beim PapstSex, Macht und Mord. Diese Dreieinigkeit verkörperte Papst Alexander VI., der aus dem spanischen Geschlecht der Borgia entstammte und von 1492 bis 1503 als Papst amtierte. Gleich zwei Fernsehserien verfilmten das Leben und Treiben des Renaissance-Papstes, so zum einen die deutsche ZDF-Produktion "Borgia" von Tom Fontana und zum anderen die konkurrierende US-Produktion "The Borgias" von Neil Jordan die vom Privatsender ProSieben ausgestrahlt wird. In beiden Serien taucht eine Figur auf, die auf den ersten Blick nicht ins Bild zu passen scheint. Die Rede ist von Prinz Djem, auch bekannt unter dem Namen Djem Sultan.Djem Sultan in der ZDF-Serie "Borgia"
Papst Alexander VI. (John Doman) und Prinz Djem (Nicolas Belmonte) in der ZDF-Serie "Borgia"In der teuersten europäischen Serie aller Zeiten (Kosten: 25 Millionen Euro) wird Prinz Djem (gespielt von Nicolas Belmonte) als enger Freund der Borgia-Familie präsentiert, bleibt jedoch nur
in der Rolle eines Nebencharakters. Es ist wohl dem türkischen Regisseur Metin Hüseyin, der neben Oliver Hirschbiegel und zwei weiteren Kollegen ebenfalls Regie führte, zu verdanken, dass sich Prinz Djem in der 1. Staffel der Serie von allen Exzessen und Intrigen der Borgia-Familie fernhält.
Als "Gast der Familie" ist Djem sehr oft in der
näheren Umgebung der Brüder Juan und Cesare Borgia und ihrer
Schwester Lucrezia zu sehen. Während der Papstwahl befindet sich
Djem unter dem Dach der Sixtinischen Kapelle, um direkte
Informationen aus den Wahlgängen des Konklaves zu beziehen, was
historisch nicht belegbar ist.
Djem Sultan in der US-Serie "The Borgias"
Papst Alexander VI. (Jeremy Irons) und Prinz Djem (Elyes Gabel) in der US-Serie "The Borgias"Auch in den USA ließ es sich der
Oscar-Preisträger Neil Jordan nicht nehmen, ebenfalls eine Serie
über die Borgia-Familie zu drehen. Obwohl "The Borgias" über ein
größeres Budget (40 Millionen Dollar) und einer Starbesetzung mit
Jeremy Irons als Papst in der Hauptrolle verfügte, war das
Endergebnis für viele nicht zufriedenstellend bis enttäuschend.
Während die deutsche Konkurrenz-Serie "Borgia" neben Sexorgien und
Exzessen mit jeder Menge Blut und Brutalität den Zuschauer die
damaligen Zustände in Rom näher brachte, so fällt die amerikanische
Version viel bescheidener aus. Hinzu kommt die mangelnde Einhaltung
an der historischen Wahrheit. Anders als in der deutschen Produktion
taucht Prinz Djem nur in einer Folge (3: Der Bruder des Sultans)
auf. So begibt sich Djem in der Serie während der Amtszeit von
Alexander VI. nach Rom um sich in seinen Schutz zu stellen. In
Wirklichkeit hielt sich Djem schon 1489 unter Papst Innozenz VIII.
in Rom auf, nicht freiwillig, sondern als Gefangener des
Johanniter-Ordens der den Prinzen in die Obhut des Vatikans stellte.
In einer anderen Szene drückt Djem Kardinal Cesare Borgia den Wunsch
aus, Christ zu werden. Prinz Djem war jedoch ein überzeugter Muslim,
den selbst Papst Innozenz VIII. nicht zum Konvertieren überreden
konnte. Bei einem Treffen mit der Borgia-Familie berichtet Djem von
der Brutalität am Sultanshof. Als Beispiel dafür erzählt er ihnen
wie der "Vorgänger" seines Bruders 22 männlichen Familienmitgliedern
die Augen herausreißen ließ um sich somit seinen Thron zu sichern.
Vorgänger von Sultan Bayezid II. Hân war Sultan Mehmed II. Hân, der
Eroberer von Konstantinopel und Vater von Djem und Bayezid. Die in
der Serie erzählte Blendung von 22 Familienmitgliedern ist eine
Erfindung des Drehbuchautors und basiert somit auf keiner
historischen Tatsache. Den Höhepunkt der Folge bildet der Mord an
dem osmanischen Prinzen. Da Papst Alexander VI. seine Tochter
Lucrezia an Giovanni Sforza verheiraten wollte, verlangte die
Familie Sforza noch eine zusätzliche Mitgift von 400.000 Dukaten.
Zeitgleich ging vom Sultan das Angebot ein, dass wenn der Papst für
die Ermordung des Prinzen Djem Sorge trage, er es mit 400.000
Dukaten entschädigen würde. Da Papst Alexander VI. über eine
derartige Summe nicht verfügte und die Verbindung mit den Sforza als
notwendig erachtete, beauftragte er seinen Sohn Juan Borgia mit dem
Mord an Prinz Djem. Juan Borgia lässt Djem vergiften, doch die Dosis
erzielt nicht ihre Wirkung, so dass Djem elendig dahinsiecht. Um dem
Leid des Prinzen ein Ende zu bereiten, tötet Juan den Prinzen mit
einem Kissen. Der Papst erhält vom Sultan die versprochene Summe und
übersendet ihm den Leichnam des Prinzen nach Konstantinopel. Auch
hier ließ der Drehbuchautor Neil Jordan seinen Phantasien freien
Lauf: Der Papst erhielt zwar vom Sultan das lukrative Angebot von
400.000 Dukaten zur Beseitigung seines Bruders, doch zu einer Zeit
als Rom von französischen Truppen erobert und der Papst samt Familie
und Prinz Djem in der Engelsburg vor den Angreifern verharrten. Djem
starb nicht durch die Hand der Borgia-Familie, sondern wurde als
wertvolle politische Geisel an den französischen König Karl VIII.
überstellt, der daraufhin Rom räumen ließ. Prinz Djem starb am 25.
Februar 1495 bei der Eroberung von Neapel nach langer Krankheit
eines natürlichen Todes. Sein Leichnam wurde an den Sultan verkauft,
der eine dreitägige Staatstrauer und eine angemessene Beisetzung in
Bursa veranlassen ließ.Die wahre Geschichte von Djem Sultan
Prinz Djem (Bild oben) verlor den Kampf um den Thron gegen seinen älteren Bruder Sultan Bayezid II. Hân (Bild unten) und begab sich ins Exil nach EuropaAls Sultan Mehmed II. Hân "der Eroberer" 1481 verstirbt, hinterlässt er ein aufsteigendes Weltreich sowie eine ungeklärte Nachfolge. Den Thronfolgestreit zwischen seinen Söhnen Bayezid und Djem, konnte sein ältester Sohn Bayezid für sich entscheiden. Djem floh nach Kairo und begab sich an den Hof des Mamelucken-Sultans. Unterstützt durch den Machthaber von Kairo und dem Fürsten von Karaman nahm Djem den Kampf um den Thron erneut auf, wurde jedoch 1482 in der Schlacht bei Konya endgültig besiegt. Er floh mit einem kleinen Gefolge von dreihundert Mann nach Korykos ans Mittelmeer. Da Djem sein Leben in Gefahr sah und der Orient keine Zufluchtsstätte vor den Henkern seines Bruders bot, entschied sich Djem zu einem außergewöhnlichen Schritt: er sandte Boten nach Europa um bei den christlichen Mächten Asyl zu ersuchen. Der Großmeister des Johanniter-Ordens auf Rhodos, Pierre d'Aubusson, erklärte seine sofortige Unterstützung Djem im Thronfolgekrieg zu unterstützen. Djem sah keine andere Möglichkeit als einen Pakt mit den Christen zu schließen, da die Truppen seines Bruders immer näher rückten. Erstmals in der Geschichte des Hauses Osman verbündete sich ein Prinz im Erbfolgestreit gegen seinen Bruder mit Vertretern des christlichen Abendlandes. Djem hoffte, dass die Kreuzritter ihn und seine kleine Truppe, nach einer Zwischenstation auf Rhodos, an der Adriaküste absetzen würden, damit er von dort mit seinen Anhängern auf dem Balkan erneut gegen Konstantinopel marschieren könne. Am 26. Juli 1482 besteigt Prinz Djem schließlich ein Boot, das ihn zur "Grand Nef du Tresor" bringt - dem Flagschiff der Johanniter. Es ist eine Reise ohne Wiederkehr. Prinz Djem sollte das Osmanische Reich zeit seines Lebens nie wieder sehen. Auf Rhodos gelandet plant Djem schon an einem Feldzug auf dem Balkan und drängt d'Aubusson ihn und seine wenigen Truppen überzusetzen. Doch d'Aubusson hält den Prinzen hin. Solange Djem sich auf Rhodos aufhält droht von den Osmanen keine militärische Invasion. Am 31. August 1482 schließen Prinz Djem und d'Aubusson einen Bündnisvertrag. Für den vermeintlichen Schutz und die Unterstützung der Kreuzritter versichert Djem, dass er, sobald er denn Sultan sei, Rhodos niemals angreifen, eine einmalige Zahlung von 150.000 Golddukaten leisten und die ägäischen Inseln an den Orden abtreten werde. Weiter garantierte der Prinz dem Orden uneingeschränkte Zollfreiheit und die jährliche Auslösung von 300 christlichen Sklaven. d'Aubusson schafft es Djem davon zu überzeugen über den Landweg von Frankreich über Ungarn zum Balkan zu reisen. Djem verspricht sich davon die Unterstützung des französischen und ungarischen Königs. Vor seiner Abreise am 1. September, ermächtigte Djem d'Aubusson in seinem Namen mit Sultan Bayezid II. Verhandlungen aufzunehmen. Das Flagschiff der Kreuzritter mit Prinz Djem an Bord erreichte nach einer stürmischen Reise Mitte Oktober 1482 das französische Nizza. Djem verbrachte mehrere Wochen in Nizza mit Jagdausflügen und Gesellschaften, bis er sich dazu entschloss mit dem französischen und ungarischen König Kontakt aufzunehmen. Er sandte Delegationen die jedoch ihr Ziel nicht erreichten. Sie wurden von den Kreuzrittern abgefangen und landeten im Verlies oder verschwanden ganz. Die Boten auf dem Weg nach Ungarn wurden umgebracht. Als Djem von den Vorfällen Kenntnis erhält, lassen die Kreuzritter ihre Maskerade fallen. Djem ist ab sofort ihr Gefangener.Das Haus SaidIm November 1492 verlieh Papst Alexander VI. dem Sohn von Djem Sultan, Pierre Mehmed Said, den kaiserlichen Titel eines "Fürsten von Said." Mehmed Said konvertierte zum Christentum, nahm den Namen Pierre an und lebte nach dem Tod seines Vaters mit seiner Frau Maria Concetta Doria auf der Insel Rhodos. Als Rhodos 1522 durch die Osmanen erobert wurde, ließ Sultan Süleyman I. Hân Mehmed Said und seine Familie hinrichten. Ein Sohn, Oshin Pierre Said, entkam den Truppen des Sultans und floh nach Rom. Das Haus Said ging im italienischen Adel auf, ihre Hauptlinie erlosch im 17. Jahrhundert. Die Nebenlinien existieren bis heute, sind jedoch irrelevant. 2007 erklärte die Familie Said offiziell, dass der Titel eines "Prinzen von Said" ohne die nötige Autorisierung des Oberhaupts des kaiserlichen Hauses Osmân nicht verliehen werden darf und sämtliche Verbindungen zu politischen Organisationen erst durch das kaiserliche Haus Osman genehmigt werden müssten. Außerdem erklärte die Familie, keine Titel oder Ansprüche auf die osmanische Thronfolge zu stellen und die katholisch-päpstliche Tradition ihrer Familie zu pflegen.Sultan Bayezid II. Hân und d'Aubusson einigen sich auf die jährliche Zahlung von 40.000 venezianischen Golddukaten für den "Unterhalt des Prinzen Djem." Außerdem erklärte sich der Sultan bereit, Rhodos und seine Seestreitkräfte nicht anzugreifen und auf dem Balkan ruhig zu bleiben. Im Gegenzug hielt der Orden den Prinzen gefangen. Der Orden versteckte den Prinzen auf ihrer Burg Bourganeuf um Befreiungsaktionen von anderen christlichen Herrschern zu verhindern, die in Djem eine wertvolle politische Geisel sahen. Als jedoch ein Versuch scheitert, wird der Aufenthaltsort des Prinzen enthüllt und lässt die europäischen Monarchen auf den Plan kommen. In dieser Situation befiehlt der Papst d'Aubusson den Prinzen nach Rom zu überstellen, was auch geschah. Am 13. März 1489, nach siebenjähriger Gefangenschaft, trifft Djem in Rom ein. Papst Innozenz VIII. verzichtet sogar darauf, dass Djem sich vor ihm auf dem Boden verneigt und seinen Fuß küsst, im Hinblick auf seinen Ruf in seiner Heimat. Sultan Bayezid II. schließt mit dem Papst einen Unterhaltsvertrag und bezahlt im voraus für drei Jahre die stattliche Summe von 120.000 Golddukaten. Unter Papst Alexander VI., aus dem Geschlecht der Borgia, gehörte Djem zum engsten Kreis der Familie. Der Papst schuf extra für den Sohn des osmanischen Prinzen den kaiserlichen Titel eines "Fürsten von Said", der von den christlichen Herrschern Europas anerkannt wurde. Djem hatte sich bereits zu dieser Zeit mit dem Gedanken abgefunden, dass er nicht mehr Sultan werden würde. Sultan Bayezid II. der durch sein Spionagenetz die italienischen Konflikte bestens kannte, sah nun die Möglichkeit den Fall Djem endgültig abzuschließen. Als Frankreich unter Karl VIII. dem Papst mit einer Invasion Italiens droht, da es sich in der neapolitanischen Frage betrogen sah, wandte sich Papst Alexander VI. hilfesuchend an Sultan Bayezid II. Der Papst flehte in mehreren Briefen den Sultan förmlich an, ihm nicht nur die Unterhaltskosten für den Aufbau einer neuen Armee im voraus zu zahlen sondern sogar einen Gesandten nach Venedig zu schicken, um Venedigs Unterstützung für Rom zu bekommen. Sultan Bayezid II. forderte im Gegenzug den Papst auf, dafür zu sorgen, "dass Djem jetzt endlich zu seinem allerhöchsten Herrn heimkehre und die Früchte des Paradieses genießen solle." Dem Papst würden dann noch mal ein Geschenk von 300.000 Golddukaten erwarten. Dem Papst fehlte es zwar nicht an moralischer Skrupel diesem Wunsch Folge zu leisten, doch fehlte es ihm an Zeit. Er verschanzte sich bereits in der Engelsburg mit seiner Familie und Prinz Djem, während die französischen Truppen Rom besetzten und brandschatzten. Karl VIII. trat mit dem besiegten Papst in Verhandlungen und forderte u.a. die Auslieferung des osmanischen Prinzen. Sollte Djem Sultan werden, würde der Papst eine Ablösesumme von 500.000 Dukaten erhalten. Am 18. Januar 1495 verlässt Djem im Gefolge des französischen Königs Rom. Gesundheitlich angeschlagen, begleitet Djem den König noch fünf Wochen auf seinem Feldzug gegen Neapel. Als der König am 25. Februar die Stadt einnimmt, stirbt Djem noch am selben Tag. Ob er einen natürlichen Tod starb oder ermordet wurde, lässt sich nicht mehr belegen. Die Theorien, dass Alexander VI. oder ein Spion Bayezids ihn vergiftet haben soll, sind haltlos und ins Reich der Mythen zuzuordnen. Der Leichnam wurde von den Neapolitaner später an Sultan Bayezid II. verkauft, der für eine angemessene Bestattung seines Bruders im Mausoleum seiner Ahnen in Bursa sorgte. |
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