Kriegseintritt des Osmanischen Reiches

  Das Reformprogramm von Mahmud Şevket Paşa

Das Osmanische Reich war darum bemüht, sich von den Folgen der Balkankriege (1912-13) zu erholen. Dazu gehörten sowohl militärische als auch innenpolitische Reformen, die den weiteren Bestand des Staates sichern sollten. Um diese in die Wege leiten zu können, entwarf der damalige jungtürkische Großwesir Mahmud Şevket Paşa im Februar 1913 ein Reformprogramm, das in fast allen staatlichen Bereichen eingriff und den Einfluss der europäischen Großmächte in diesen verstärken sollte. Folgende Länder sollten in das Reformprogramm eingebunden werden:

Großbritannien: Die britische Marinemission unter Admiral Limpus sollte weiterhin für die Reorganisierung der osmanischen Marine zuständig sein. Außerdem sollte Großbritannien zwei Inspekteure für die ost-anatolischen Provinzen stellen, um die Reformmaßnahmen zu beaufsichtigen und als Garantiemacht (laut Zypern-Vertrag) dem russischen Einfluss vorzubeugen.

Frankreich: Die französische Gendarmerie-Mission unter General von Baumann und die französische Finanzaufsicht sollten weiterhin ihrer Arbeit nachgehen.

Deutschland: Großwesir Mahmud Şevket Paşa setzte bei der Reorganisierung der Armee auf Deutschland. Er sprach sich deshalb bei der deutschen Regierung für eine Entsendung einer zweiten Militärmission aus. In einem Gespräch mit Cemal Paşa sagte der Großwesir: "Was unsere Armee betrifft, so glaube ich, dass wir uns den Methoden der Deutschen nicht mehr verschließen können. Seit mehr als dreißig Jahren haben wir in unserer Armee deutsche Instruktoren, unser Offizierkorps ist durchaus nach den deutschen militärischen Methoden erzogen worden, unsere Armee ist mit dem Geiste deutscher Erziehung und deutscher Instruktion durchaus vertraut.... Ich habe daher die Absicht, eine deutsche Militärmission großen Stils kommen zu lassen und selbst, falls dies notwendig sein soll, das Kommando eines türkischen Armeekorps einem deutschen General anzuvertrauen, an die Spitze einer jeden Einheit desselben deutsche Stabs- und Subalternoffiziere zu stellen und auf diese Art ein Musterarmeekorps zu bilden."[1]
Zur Durchführung des Reformprogramms wünschte sich der Großwesir eine Atempause von 10 Jahren. Gegenüber dem deutschen Botschafter von Wangenheim äußerte er sich: "Wir brauchen vorläufig keine Allianzen, sondern das Gegenteil von solchen, dass heißt, dass wir von allen Großmächten für mindestens zehn Jahren vollkommen in Ruhe gelassen werden, damit wir uns reorganisieren können."[2]
Das Reformprogramm scheiterte an der ablehnenden Haltung Großbritanniens, dem Frankreich nachfolgte. Gründe für eine Ablehnung gab der damalige britische Außenminister Lord Grey nicht an. Als Gründe lassen sich jedoch nicht nur die bedeutende deutsche Dominanz innerhalb des osmanischen Heeres aufführen, sondern auch die Beziehung zum verbündeten Russland, da Russland als klarer Verlierer aus dem Reformprogramm hervorging.

Ereignisse vor Kriegsausbruch

Mit der Ermordung von Mahmud Şevket Paşa im Juni 1913, übernahm Said Halim Paşa das Amt des Großwesirs und bildete ein Kabinett mit Enver Paşa (Kriegsminister), Talât Bey später Paşa (Innenminister), Cemal Paşa (Marineminister) und Cavit Bey (Finanzminister). Zwischen Juni 1913 und Februar 1914 fallen zwei bestimmte Ereignisse mit besonderer Tragweite: Die Ankunft der deutschen Militärmission in Konstantinopel und der Reformvertrag für die ost-anatolischen Provinzen zwischen dem Osmanischen Reich und Russland. Am 14. Dezember traf die Mission in Konstantinopel ein, was zur Liman-von-Sanders-Krise führte.[3] Als Cemal Paşa dem deutschen General das Kommando des 1. Armeekorps in der Hauptstadt übergeben wollte, protestierte der russische Botschafter. Russland sah in dieser Mission eine Gefährdung seiner Interessen und eine "deutsche Annexion" der Meerengen. Großbritannien und Frankreich, die selbst Missionen im Osmanischen Reich unternahmen, protestierten formal gegen das deutsche Vorhaben.[4] Um die diplomatischen Beziehungen zu Russland zu entschärfen, beförderte der deutsche Kaiser Generalleutnant von Sanders zum General der Kavallerie, was ihn im osmanischen Heer in den Rang eines Marschalls versetzte. Damit blieb eine Übernahme des Armeekorps aus und von Sanders wurde stattdessen Generalinspekteur der osmanischen Armee.

Um der deutschen Militärmission und dem deutschen Einfluss im Osmanischen Reich Einhalt zu gebieten, rollte Russland die Armenische Frage auf. Es handelte sich hierbei nicht nur um den Verlust der ost-anatolischen Provinzen des Osmanischen Reiches, sondern um die vollständige Aufteilung des Reiches in Interessenzonen. So machte der russische Botschafter von Giers den deutschen Botschafter von Wangenheim darauf aufmerksam, "sich schleunigst mit der russischen Regierung über die beiderseitigen Interessenzonen zu verständigen."[5] Was nun einsetzte, war ein langwieriger diplomatischer Prozess, in dessen Verlauf alle Mächte - insbesondere aber Deutschland und Russland - Buchstabe für Buchstabe, Zeile für Zeile um tragfähige Formulierungen suchten. Die einen, insbesondere Deutschland, mit dem Ziel Russland jede Gelegenheit zur militärischen Intervention zu nehmen und zugleich eine für die Osmanische Seite akzeptable Formulierung zu finden, die es der Hohen Pforte wenigstens gestattete, nach außen hin das Gesicht zu wahren; Russland, das in der Überzeugung verhandelte, dass früher oder später doch die erwartete Gelegenheit kommen würde.[6] Am 8. Februar 1914 unterzeichnete Großwesir Said Halim Paşa den ausgearbeiteten Internationalen Reformplan für die osmanischen Ostprovinzen. Die russische Regierung und insbesondere der Zar fühlten sich übergangen. Am 21. Februar 1914 findet in St. Petersburg eine Geheimsitzung der russischen Heeresleitung statt, auf der die Militärs beschließen, im Fall eines Krieges, Konstantinopel  - auch bei neutraler Haltung des Osmanischen Reiches - zu erobern. Abschriften des Sitzungsprotokolls erhalten der französische und englische Botschafter.[7][8] Der osmanische Geheimdienst Teşkilât-ı Mahsusa informierte die osmanische Regierung von dem russischen Vorhaben. Die Regierung des Sultans nahm den Bericht des Geheimdienstes zur Kenntnis, vermied jedoch jeden Protest um die anderen europäischen Großmächte nicht zu verstimmen. Der Mord an Gregor Narrodin, einem russischen Stabsoffizier, der auf offener Straße von einem Auftraggeber des Kriegsministeriums erschossen wurde, bleibt bis heute ungelöst. Ein Bericht von Admiral Limpus, der zehn Stunden später an das Foreign Office gesandt wurde, soll genaue Details und Aufschlüsse beinhalten.[9]
Eine weitere diplomatische Krise entstand mit der militärischen Besetzung der Inseln Chios und Lesbos durch Griechenland. Der Konflikt spitzte sich im Juni bis an den Rand eines Krieges zu, der nur durch die Einlenkung der osmanischen Regierung verhindert werden konnte.

Sondierungsgespräche mit der Triple Entente

Zu einem ungewöhnlichen Treffen kam es Mitte Mai 1914 auf der Krim: Auf dem Sommersitz des russischen Zaren Nikolaus II. in Liwadija (Krim) traf am 11. Mai 1914 eine Sondergesandtschaft des Osmanischen Reiches, unter der Führung des osmanischen Innenministers Talât Bey, zu einer zweitägigen Visite ein. Talât Bey unterbreitete dem Zaren und dem russischen Außenminister Sergei D. Sasonow ein Bündnisangebot, das jedoch abgelehnt wurde.[10] Der bemerkenswerte Umstand, dass die jungtürkische Regierung zuerst mit dem Erzrivalen Russland die Sondierungsgespräche eröffnete, zeugte von einem ehrlichen Angebot, das jedoch von Anfang an zum scheitern verurteilt war. Am 9. Juli 1914 reiste der osmanische Marineminister Cemal Paşa anlässlich einer Einladung zu einem Flottenmanöver nach Frankreich. Ein Bündnisangebot des Marineministers wurde hier abschlägig beschieden, doch hielt man mit der französischen Regierung den Kontakt aufrecht. Die Francophilie vieler Jungtürken ermöglichte die Beibehaltung dieser Verbindung.[11] Großbritannien verhindert sogar eine Annäherung zum Osmanischen Reich, als es die beiden Schlachtschiffe "Reşadiye" und "Sultan Osman" (die in englischen Werften in Auftrag gegeben wurden) offiziell am 3. August 1914 konfiszieren lässt, um die Neutralität des Osmanischen Reiches im kommenden Weltkrieg zu erzwingen.

Diplomatische Verhältnisse vor dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches

Großbritannien:
Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Großbritannien erlebten im Jahr 1914 einen neuen Aufschwung durch neue Erdöl-Konzessionen in Mesopotamien. Die britische Marinemission unter Admiral Limpus genoss hohes Ansehen bei Regierung und Parlament. So gibt die osmanische Regierung zwei Schlachtschiffe, die Reşadiye und Sultan Osman, bei England in Auftrag. Ende Juli zahlt die osmanische Regierung die letzte Rate von 700.000 Lira für die Sultan Osman.[12] Am 27. Juli trifft das Schiff Reşid Paşa mit einer 500-köpfigen osmanischen Mannschaft in England ein, um die fertigen Schlachtschiffe nach Konstantinopel zu überführen, denn am 2. August 1914 sollten sie vom Stapel laufen. Doch die zuständige Werft bittet um einen Tag Aufschub um "Korrekturen" am Schiff vorzunehmen. Am 3. August - eine Stunde vor der offiziellen Übergabe - konfisziert die britische Admiralität beide osmanische Schiffe und hisst bei beiden die englische Flagge. Die britische Regierung gibt offiziell keine Stellungnahme zu dieser Maßnahme ab und verweist lediglich auf ihr Recht der Ausfuhrkontrolle.
Diese Maßnahme war jedoch auf den 1. Lord der Admiralität zurückzuführen - Sir Winston Churchill. Der europäische Krieg war ausgebrochen und die Deutschen marschierten am 2. August in Luxemburg ein. Das Osmanische Reich, das zwei strategisch wichtige Knotenpunkte (die Dardanellen und den Suez-Kanal) unter seiner Kontrolle hatte, musste, nach Churchill, unter Druck auf die Seite der Entente - und wenn nicht zur absoluten Neutralität - gebracht werden. Dazu diente die Konfiszierung der Schlachtschiffe.

Frankreich:
Für die francophilen Jungtürken im Kabinett war Frankreich das geistige Vorbild eines modernen Staates. Frankreich unterhielt unter General Baumann eine Gendarmerie-Mission mit ca. 80.000 Mann, die dem Innenministerium unterstellt war.[13] Die wirtschaftlichen Verhandlungen von 1914 mit dem osmanischen Finanzminister Cavit Bey stärkten sogar die Beziehungen beider Länder. Als deutsche Banken dem Osmanischen Reich eine Staatsanleihe verwehrten, wandte sich Cavit Bey an Frankreich. Die französische Anleihe betrug 700 Millionen Franc, doch war der französische Kapitalmarkt nur bedingt belastbar. Frankreich konnte die zugesagte Anleihe nicht alleine unterbringen, sodass es gezwungen war, nicht zuletzt an Deutschland mit der Bitte um ihre Internationalisierung heranzutreten.


Verteilung der osmanischen Staatsschulden nach Gläubiger-Staaten im Vergleich 1881 und 1914 in Prozent [14]
(Frankreich, England, Deutschland, Belgien, Österreich, Niederlande, Italien u. Sonstige)

Die osmanische Regierung gab im April/Mai 1914 bei französischen Werften insgesamt 6 Zerstörer, 2 U-Boote, 7 Kanonenboote und 6 Torpedoboote in Auftrag.[15] Marineminister Cemal Paşa, der zur französischen Fraktion innerhalb des Komitees gehörte, setzte sich persönlich für den Kauf von französischen Schiffen ein.
Während Frankreich sich in diesen Beziehungen als "guter Freund" zeigte, so plante es doch schon seit Beginn des Jahres an der Auflösung des Osmanischen Reiches. Russland war bestrebt eine militärische Offensive gegen das Osmanische Reich zu führen, um endlich seine Teilung zu verwirklichen. Außenminister Sasonow ersuchte deshalb bei Frankreich Unterstützung für diesen Plan. So versicherte der französische Botschafter in St. Petersburg, Thèophile Delcassè, dem russischen Außenminister Sasonow im Januar 1914, "dass Frankreich so weit gehen wird, wie es Rußland wünsche."[16] Und der französische Präsident Poincaré gab dem russischen Botschafter zu verstehen, Frankreich sei entschlossen, "sich unter den obwaltenden Verhältnissen nicht den Verpflichtungen zu entziehen, die ihm das Bündnis mit Rußland auferlege."[17]

Russland:
Die diplomatischen Beziehungen zum alten osmanischen Erzfeind im Norden waren seither immer mit Misstrauen erfüllt. Eine "russische Fraktion" innerhalb der Jungtürkenbewegung gab es seit ihrer Entstehung nicht. Die Entsendung der deutschen Militärmission und der Reformvertrag für die Ostprovinzen, gefährdeten die Interessen des russischen Zarenreichs. Am 7. Januar 1914 unterbreitete Sasonow dem Zaren ein Memorandum, in dem er vorschlug, die Türkei gewaltsam, nämlich durch eine „ernste militärische Aktion und die Besetzung türkischer Häfen", an der Reorganisation ihrer Armee mit Hilfe der deutschen Militärmission zu hindern.[18] Auf der russischen Kabinettssitzung vom 13. Januar erklärt der russische Kriegsminister Russland für einen Krieg gerüstet. Am 29. Januar äußert der Zar dem französischen Botschafter: "Die Anstrengungen Deutschlands, sich in der Türkei auszubreiten und festzusetzen, werden vielleicht zu einem unvermeidlichen Zusammenstoß zwischen den deutschen Bestrebungen und den russischen Interessen führen."[19] Nach der Ratifizierung des Reformvertrages (8.2.1914), findet am 21. Februar in St. Petersburg die Geheimsitzung der russischen Heeresleitung statt, die eine militärische Operation gegen das Osmanische Reich beschließt. Das Sondierungsgespräch unter Talât Bey vom 11. bis 13. Mai zeugte von einem letzten Versuch, Russland von einer kriegerischen Handlung abzubringen. Das Vorhaben scheiterte.

Deutschland:
Die deutsche Fraktion innerhalb der jungtürkischen Regierung, unter dem osmanischen Kriegsminister Enver Paşa, sah in Deutschland den idealen Bündnispartner. Schon Großwesir Mahmud Şevket Paşa war ein großer Bewunderer des preußischen Militärs. Deutschlands Einfluss, sowohl wirtschaftlich als auch militärisch, stieg nach den Balkankriegen. Die Militärmission unter General Liman von Sanders beunruhigte die anderen europäischen Mächte, sodass es zur Liman-von-Sanders-Krise kam. Die Bagdadbahn, die unter der Federführung deutscher Bankiers und Konstrukteuren gebaut wurde, wurde zu einer lebensnotwendigen Ader für das Osmanische Reich. Die europäischen Mächte erhofften sich vom Zusammenbruch des Osmanischen Reiches territorialen Zuwachs, während das Deutsche Reich daran interessiert war es zu erhalten. Für das Deutsche Reich eröffnete sich ein großer Absatzmarkt in Asien, der die deutsche Wirtschaft belebte und gleichzeitig dem reformbereiten Osmanischen Reich nötige Waren lieferte. Das jungtürkische Kabinett blieb jedoch skeptisch. Grund für die Skepsis war die Haltung des deutschen Kaisers im osmanisch-griechischen Inselkonflikt. Wilhelm II. engagierte sich seit dem zweiten Balkankrieg zusehends für die griechischen Interessen,[20] obgleich Botschafter von Wangenheim bereits im September 1913 von der Warnung des Großwesirs berichtete, dass es "mit der deutschen Stellung im Osmanischen Reich vorbei sein werde",[21] und wiederholt auf die Unwahrscheinlichkeit hinwies, "daß die Türkei bezüglich der Inseln, deren Besitz für sie ja von weit größerer Bedeutung ist als Adrianopel, etwa entgegenkommender sein würde als in der Frage von Adrianopel." Wangenheim schreibt weiter: "Die türkische Regierung wird darauf bestehen, die Souveränität auf den Inseln wiederzuerlangen. Sie hat daraus eine Prestigefrage gemacht. Sie würde ihr Ansehen nicht nur in der Türkei, sondern auch bei allen Muselmanen verlieren, wenn sie in dieser Frage nachgäbe."[22] Der Kaiser blieb freilich auch noch bei seiner griechenfreundlichen Haltung in dieser Frage, als sich die Krise wegen der Inseln im Juni 1914 bis an den Rand eines kriegerischen Konfliktes zuspitzte, lenkte dann allerdings ein, als sich die Griechen durch geplante militärische Aktionen "ins Unrecht" zu setzen drohten, da sich die Türkei "konziliant" und "gewillt" zeigte, "entgegenzukommen".[23]

Das Geheimabkommen zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich

Durch die ablehnende Haltung der Triple Entente, stand die osmanische Regierung nur noch vor zwei Alternativen: Entweder strikte Neutralität oder ein Waffengang mit den Mittelmächten. Hätte das Osmanische Reich die strikte Neutralität bis zum Kriegsende 1918 bewahrt, so wäre der Staat trotzdem nicht vor einer Auflösung durch die Siegermächte verschont geblieben. Kriegsminister Enver Paşa war sich dessen vollkommen bewusst, weshalb er schon am 27. Juli 1914 beim deutschen Botschafter von Wangenheim eine Allianz ins Gespräch brachte.[24] Als Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärte, berief Kriegsminister Enver Paşa in der Nacht vom 1. auf den 2. August eine Geheimsitzung in der Residenz des Großwesirs (Said Halim Paşa Yalısı) ein. An dieser Sitzung nahmen neben dem deutschen Botschafter von Wangenheim, der osmanische Großwesir Said Halim Paşa, Kriegsminister Enver Paşa, Parlamentspräsident Halil Bey (Menteşe) und Innenminister Talât Paşa teil. Es wurde ein Defensivabkommen geschlossen, der vorsah, dass Deutschland und das Osmanische Reich in einem Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien neutral bleiben würden, dass aber das Osmanische Reich den Mittelmächten beitrete, falls Russland in den Krieg eintrete. Die Deutschen verpflichteten sich zu militärischer Unterstützung, während die Osmanen ihrerseits der deutschen Militärmission die Einbindung in die Führung der osmanischen Streitkräfte zusagten. Das Abkommen galt bis zum 31.12.1918 und blieb geheim.
Enver Paşa ließ Marineminister Cemal Paşa und Finanzminister Cavit Bey außen vor, weil er überzeugt war, dass beide das Abkommen nicht begrüßen würden. Als Talât Paşa den Finanzminister am nächsten Tag von dem Geheimabkommen in Kenntnis setzte, brach Cavit Bey in Wut aus und schrieb später in sein Tagebuch:
"...und ich sah, dass weder Talât noch Halil die wahre Bedeutung des Vertrages, den sie gerade unterschrieben hatten, verstanden hatten."[25] Grund für diese Aussage war die Tatsache, dass die Bündnispflicht schon längst mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland (1. Aug.) eingetreten sei.

Die osmanische Kabinettssitzung vom 9. August 1914

Auch wenn das Osmanische Reich mit dem geheimen Bündnisabkommen an die Seite Deutschlands trat, erhielt das Reich seine Neutralität weiterhin aufrecht. Am 4. August wurden dem deutschen Botschafter Änderungsvorschläge für den Vertrag vorgelegt, die u.a. eine finanzielle Zusage für den Kriegseintritt des Osmanischen Reiches beinhalteten.[26] Am gleichen Tag sperrte die osmanische Regierung die Zufahrt der Dardanellen, um den Großmächten die weitere Neutralität zu versichern. Innenminister Talât Paşa resite am 6. August nach Sofia, wo er mit dem Botschafter Radoslavov ein bulgarisch-osmanisches Geheimabkommen abschloss, dass gegenseitige Unterstützung im Kriegsfall zusicherte, den Deutschen jedoch bis zum 17. Dezember 1914 vorenthalten wurde.[27]

Cavit BeyAm 9. August hielt die osmanische Regierung erneut eine Kabinettssitzung ab, auf der sich nun die Frage über die Zukunft des Reiches stellte.[28] Finanzminister Cavit Bey erkannte, "dass das Osmanische Reich nur einen Weg gehen kann, nämlich den an der Seite Deutschlands in den Krieg. Es ist ein düsterer Weg und es bestehen nicht viele Chancen auf ein glückliches Ende, aber eine Neutralität bedeutet sofortiges Ende der osmanischen Souveränität." Weiter führt Cavit aus: "Wenn Russland auch die berüchtigte Geheimsitzung vom 21. Februar inzwischen fünfhundertmal abgeleugnet hat, wenn meinetwegen diese Sitzung niemals stattgefunden hat, wichtig ist allein das, was uns die Geschichte lehrt. Sie lehrt uns, dass Russland unser Verderben wünscht und wünschen muss, und da Russland der Stoßkeil der Entente gegen Deutschland ist, da diese Russland unbedingt braucht, um zu siegen, deshalb wird für England und Frankreich der Wunsch ihres Bundesgenossen Befehl sein. Ob wir wollen ist hier nicht die Frage. Wir müssen uns Deutschland anschließen." Er fügt jedoch noch hinzu, dass er es als Finanzminister für ratsamer halte, die Neutralität des Osmanischen Reiches vorerst aufrecht zuhalten.[29] Großwesir Prinz Said Halim Paşa hält ebenfalls an der vorläufigen Neutralität fest: "Das Land braucht Frieden und Ruhe. Wir haben genug geblutet und gekämpft!"[30] Selbst Kriegsminister Enver Paşa, der Führer der deutschfreundlichen Fraktion im Komitee für Einheit und Fortschritt will die Kriegserklärung bis Frühjahr 1915 hinauszögern und schlägt deshalb eine "bewaffnete Neutralität" vor.[31] Dem Vorschlag stimmten alle Kabinettsmitglieder zu.

Der Fall Goeben und Breslau

Die Entscheidung des Kabinetts für eine vorübergehende bewaffnete Neutralität, ließ viele wieder aufatmen. Doch die Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Seit dem 1. August wurde die deutsche Mittelmeer-Division, mit den zwei Schlachtschiffen SMS Goeben und SMS Breslau, von einem britisch-französischen Geschwader verfolgt. Der einzige Vorteil der deutschen Kreuzer war ihre besondere Schnelligkeit, den Verfolgern über die Straße von Messina bis in die Ägäis zu entkommen. Während die Briten überzeugt waren, dass der deutsche Admiral Souchon weitere Angriffe auf nordafrikanische Küsten unternehmen würde, nahm der Admiral jedoch Kurs auf die Dardanellen. Denn aus Berlin erging der Befehl, sich unter Einsatz aller Kräfte nach dem Bosporus durchzuschlagen. Währenddessen berichten Agenten dem britischen Außenminister Sir Edward Grey, dass im Osmanischen Reich eine Mobilisierung der Armee bevorstehe und die deutsche Militärmission in allen Teilen des Militärs grundlegende Reformen vollzog. Sir Grey sieht den Kriegsausbruch mit dem Osmanischen Reich voraus, bevor er von dem Geheimvertrag mit Deutschland weiß. Doch Grey wird belächelt. Lord Kitchener und Lord Churchill sehen keine drohende Gefahr vom Osmanischen Reich ausgehen. Admiral John Fisher unterbreitet indes der britischen Regierung ein Projekt, das eine gemeinsame Aktion Großbritanniens mit Griechenland vorsieht, um durch eine sofortige bewaffnete Besetzung der Dardanellen "die Neutralität der Türkei gegen deutsche Eingriffe" zu schützen. "Nicht nötig," sagte Winston Churchill, "die Türkei wird sich hüten, eine andere Einstellung gegen die Entente zu nehmen als die absoluter Passivität. Die Hohe Pforte weiß zu genau, daß wir ihr sonst sofort den Russen auf den Hals hegen, der mit der Orientpracht tun wird, was er will!" Lord Fisher entgegnete: "Und wenn das deutsche Mittelmeergeschwader sich nach der Türkei durchschlägt?" "Das ist absurd," war die Antwort Churchills.[32]

Enver PashaDie "Goeben" dampfte unbehelligt in die Ägäis, bunkerte am 9. August bei der kleinen Insel Denusa und erreichte am nächsten Tag gegen 17 Uhr mit der "Breslau" die Zufahrt zu der bis dahin unbezwungenen Meerenge an den Dardanellen. Die Geschütze der osmanischen Festung Çanak waren auf die deutschen Schiffe gerichtet. Oberst Kress von Kressenstein von der deutschen Militärmission in Konstantinopel suchte sofort den osmanischen Kriegsminister Enver Paşa auf und schilderte ihm die Lage: "Die Festung Çanak meldet, dass die deutschen Kriegsschiffe. ,Goeben' und 'Breslau' vor dem Eingang der Dardanellen liegen und um freie Einfahrt ersuchen. Die Festung bittet um sofortige Verhaltensmaßregel für die Forts Kum Kale und Sed ul Bahr." Enver Paşa antwortete zunächst ausweichend: "Das kann ich jetzt nicht entscheiden. Ich muss erst den Großwesir fragen." Kressenstein drängt jedoch zu Taten, da das britische Geschwader, nur zwei Stunden entfernt, bereits über die Ankunft der Deutschen Bescheid wusste. "Wir müssen aber sofort telegraphieren!" sagte Kressenstein. Nach bedrückender Pause flüsterte Enver: "Sie sollen sie hereinlassen." Kressenstein aber drängte weiter: "Wenn den Deutschen englische Kriegsschiffe folgen, soll auf diese geschossen werden?" Enver: "Ja." Das deutsche Schiff wurde durch die Meerenge gelotst. Währenddessen suchte der britische Admiral Milne immer noch das Ägäische Meer nach den beiden deutschen Schiffen ab.[33] Stunden später dampfte die britische Flotte auf die Dardanellen zu und begehrte Einlass. Die Osmanen lehnten ab. Die Engländer funkten zurück, dass Goeben und Breslau auch eingelassen wurden. Da signalisierten die Osmanen kühl zurück: "Es gibt keine deutschen Schiffe in den Dardanellen, sondern nur den osmanischen Schlachtkreuzer 'Yavuz Sultan Selim' und den osmanischen kleinen Kreuzer 'Midilli'. Tatsächlich wurden beide Schiffe in die osmanische Marine übernommen und umbenannt.[34] Die osmanische Regierung, die allnächtlich zu Sitzungen in der Residenz des Großwesirs zusammentritt, versammelt sich auch am 10. August 1914. Enver Paşa ist der Letzte der erscheint. Noch weiß nur er was sich vor wenigen Stunden zutrug. Als Enver Paşa dem Kabinett die Situation schilderte, schlägt die Stimmung in Wut und Zorn um. "Das muss rückgängig gemacht werden," besteht Großwesir Said Halim Paşa. "Die deutschen Schiffe müssen entweder in 24 Stunden die Dardanellen verlassen haben oder aber sie müssen entwaffnet und interniert werden." Botschafter Wangenheim wird zur Sitzung hinzugezogen und erklärt den Kabinettsmitgliedern, dass eine Entwaffnung und Internierung der Mannschaften beim osmanischen Volk nicht auf Zuspruch treffen würde. Denn Gerüchte waren im Umlauf, dass Kaiser Wilhelm II. die Schiffe als Ersatz für die zwei konfiszierten Schlachtschiffe gesendet hatte.[35] So schlug Marineminister Cemal Paşa vor, die beiden Schiffe pro forma anzukaufen, um weiterhin die Neutralität des Osmanischen Reiches aufrecht zu erhalten.

Reaktionen der Triple Entente und Annäherungen an Russland

Angesichts dieser Machtverschiebung am 10. August 1914 erklärte sich der britische Premierminister Asquith und sein Außenminister Sir Grey bereit, neue Gespräche mit der osmanischen Regierung aufzunehmen. Großbritannien und Frankreich garantierten die Souveränität und Integrität des Osmanischen Reiches zu schützen, wenn es seine Neutralität bis zum Ende des Krieges beibehalten werde. Doch die osmanische Regierung stellte Bedingungen: 1. Aufhebung der Kapitulationen 2. die Rückgabe der Ägäischen Inseln und 3. die Lösung des Ägyptenproblems (Ägypten war seit 1882 durch britische Truppen besetzt). Großbritannien lehnte ab.[36]
Russland verfolgte ebenfalls die Machtverschiebung am Bosporus mit großem Interesse. Russland sah sich einer Isolation ausgesetzt, denn das Osmanische Reich blockierte die Nachschubwege über das Schwarze Meer. Aus diesem Grund traten der russische Außenminister Sasonow und der russische Botschafter in Konstantinopel Giers mit dem osmanischen Kriegsminister Enver
Paşa am 13. August in Kontakt. Ein Tag zuvor (am 12.) erteilte der Sultan den Befehl zur Generalmobilisierung der Armee. Seit dem 5. August stand Enver Paşa mit den Russen in Kontakt, um sich Optionen offen zu halten. Der russische Militärattaché General Leont'ev arbeitete einen Vertrag aus, in dem eine militärische Allianz zwischen Russland und dem Osmanischen Reich für 5 oder 10 Jahre beschlossen werden sollte. Das Osmanische Reich werde Russland versorgen, "wenn es die osmanischen Interessen und Wünsche beachte." Dazu zählte eine russische Unterstützung bei der Rückgabe der ägäischen Inseln und erstmals bei der Rückerstattung Westthrakiens, das im Balkankrieg an Bulgarien verloren ging. Enver Paşa beteuerte gegenüber dem russischen Vertretern, dass das Osmanische Reich keine Aggressionen gegenüber Russland hege und in Wirklichkeit gute freundschaftliche Beziehungen pflege. Am 15. August informierte Sasonow Großbritannien und Frankreich über seine Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich und sprach von dem Versuch, "die aktuelle Mobilisierung der osmanischen Armee rückgängig zu machen um seine Neutralität beibehalten zu können." Am 18. August unterbreitete Sasonow im Namen der Triple Entente einen Entwurf, der die Integrität des Osmanischen Reiches anerkannte und zusicherte. Die osmanische Regierung war jedoch unzufrieden mit dem Vorschlag. Finanzminister Cavit Bey verlangte die volle Zusicherung der Integrität für die nächsten 15 bis 20 Jahre, die komplette wirtschaftliche Freiheit von den Großmächten und die Abschaffung der Kapitulationen. Cavit Bey und Cemal Paşa gaben dem englischen und französischen Botschafter zu verstehen, dass sie die russischen Verhandlungen mit großem Misstrauen verfolgen und schlugen vor, dass drei Garantiemächte für die Integrität des Osmanischen Reiches einstehen sollten. Sollte eine Garantiemacht zum Aggressor werden, so sollten die anderen Zwei das Osmanische Reich unterstützen. Für Großbritannien und Frankreich stand jedoch zu viel auf dem Spiel, als das sie eine Kündigung der Kapitulationen und Konzessionen befürworten würden. Am 28. August reichte die Triple Entente einen Vorschlag bei der osmanischen Regierung ein, der die Integrität des Osmanischen Reiches zwar garantierte, aber beim Thema Kapitulationen nur eine "freundschaftliche Rücksichtnahme bei ökonomischen und juristischen Angelegenheiten" versprach, wenn das Reich seine Neutralität beibehalte. Für die osmanische Regierung war dies eine schwere Enttäuschung, denn nun erkannten auch die letzten Befürworter einer Allianz mit der Triple Entente, die wahren Absichten und leeren Versprechungen die Großbritannien, Frankreich und Russland machten.[37] Am 9. September 1914 proklamierte Großwesir Said Halim Paşa die Abschaffung der Kapitulationen. Hierbei handelte es sich um die einseitige Kündigung der Kapitulationen zum 1. Oktober durch die osmanische Regierung.[38] Das englisch-französische Geschwader blockierte die Zufahrt zu den Dardanellen und hinderte sogar am 26. September 1914 ein osmanisches Torpedoboot daran die Meerengen zu verlassen, mit dem Hinweis, dass das Geschwader jedes osmanische Schiff unter Beschuss nehmen würde das den Versuch unternehmen würde. Das Osmanische Reich befand sich zu dieser Zeit immer noch im Status der Neutralität. Am 19. Oktober liefen zwei englische Kanonenboote in den Persischen Golf ein, wogegen die osmanische Regierung Protest in London einlegte. Kurz darauf, am 25. Oktober, unterzeichnete die osmanische und persische Regierung ein geheimes Bündnisabkommen, im Falle eines Angriffes durch Russland oder England.

Der Kriegseintritt des Osmanischen Reiches und der Minenleger 'Pruth'

Bereits am 14. September hatte Kriegsminister Enver Paşa Admiral Souchon ermächtigt, ins Schwarze Meer auszulaufen und ihm dabei volle Handlungsfreiheit gegen Russland zugesichert. Auf Druck des Kabinetts hatte er diese Ermächtigung aber am 16. September zurückziehen müssen. Am 21. Oktober ernannte ihn Sultan Mehmed V. zum "Vizegeneralissimus" über die Land- und Seestreitkräfte. Einen Tag später (22.10.1914) unterzeichnete er erneut einen Befehl an Souchon: "Die osmanische Flotte soll die Seeherrschaft im Schwarzen Meer erringen. Suchen Sie die russische Flotte auf und greifen Sie sie ohne Kriegserklärung an, wo Sie sie finden!"[39] Zu den Ereignissen Ende Oktober, die zum Kriegseintritt des Osmanischen Reiches führten, gibt es weiterhin Unklarheiten: So soll Enver Paşa nach JÄSCHKE in Rücksprache mit dem Marineminister Cemal Paşa und dem Innenminister Talât Paşa, den Befehl am 24. September an Admiral Souchon weitergeleitet haben,[40] während MÜHLMANN angibt, dass Enver Paşa eigenmächtig den Befehl zu einem Zeitpunkt weiterreichte, als Marineminister Cemal Paşa und Innenminister Talât Paşa im Begriff waren einen Kurswechsel zu vollziehen.[41] Die Entscheidung des Kriegsministers wurde durch Informationen osmanischer Agenten in Sewastopol unterstützt, die den Auslauf des russischen Minenlegers "Pruth" mit 700 Minen meldeten, um den Bosporus-Eingang zu versperren. Geplant wurde die Aktion vom russischen Admiral Andrej Eberhardt, von den Vorgängen wussten jedoch Enver Paşa und General Liman von Sanders schon zwei Monate im voraus Bescheid.[42]

Am 28. Oktober lief die osmanische Flotte aus dem Bosporus aus. In den frühen Morgenstunden des 29. Oktobers griffen die osmanischen Zerstörer "Gayret-i Vataniye" und Muavenet-i Milliye" die russische Hafenstadt Odessa an. Sie versenkten die Kanonenboote "Donez" und "Kubanez", nahmen Handelsschiffe, Hafenanlagen und Öltanks unter Beschuss und schalteten das Elektrizitätswerk aus. Währenddessen nahm der Schlachtkreuzer "Yavuz Sultan Selim" (Souchon) mit zwei Torpedobooten Kurs auf Sewastopol. Die Küstenbatterien von Sewastopol entgegnen mit schwerem Feuer, verübten jedoch nur geringen Schaden. Bei der Beschießung des Hafens wurde der Minenleger "Pruth" gestellt und versenkt. Der Kleine Kreuzer "Midilli" legte zur gleichen Zeit Minen im Asowschen Meer und beschoss daraufhin die Hafenstadt Noworossijsk.[43]

Kriegserklärungen an das Osmanische Reich

Das Osmanische Reich befand sich nunmehr im Kriegszustand. Großwesir Said Halim Paşa zeigte sich über den Angriff erschüttert und ordnete die sofortige Beilegung der Operation an, die jedoch viel zu spät erfolgte. Aus Protest traten am 29. Oktober 1914 vier Minister aus dem Kabinett des Großwesirs Said Halim Paşa zurück, darunter der Finanzminister Cavit Bey.[44] Am 30. Oktober meldete sich der Großwesir am Tag des islamischen Opferfestes bei der offiziellen Zeremonie krank. Großwesir Said Halim Paşa traf sich währenddessen mit dem russischen Botschafter Giers, dem er gegenüber beteuerte, nichts von dem Vorhaben des Kriegsministers und des deutschen Admirals gewusst zu haben. Der Großwesir erklärte sich bereit, eine Untersuchung einzuleiten um den Frieden um jeden Preis zu erhalten.[45] Vergebens versuchte der Großwesir auch bei dem britischen und französischen Botschafter einzuwirken, die jedoch entschlossen waren das Osmanische Reich zu verlassen.
Am 29.10.1914 erfolgte die Kriegserklärung Serbiens an das Osmanische Reich, worauf die russische Kriegserklärung am 2.11. und wenig später die englische (5.11.) und französische (6.11.) folgte. Das Osmanische Reich erklärte den drei Großmächten offiziell erst am 12. November 1914 den Krieg.


[1] Ahmed Djemal Pascha: Erinnerungen eines türkischen Staatsmannes, 1922, S. 69
[2] Auswärtiges Amt Bd. 38 Nr. 15439, Wangenheim an Bethmann Hollweg, 26.4.1913
[3] Liman von Sanders: Fünf Jahre Türkei, 1920, S.10
[4]
Sanders S. 23-25
[5] Archiv Deutsche Botschaft Konstantinopel: Armenien; Mikrofiche Nr. 7231-7234; 1913
[6]
Cem Özgönül: Der Mythos eines Völkermordes, 2006, S. 271
[7] Clemens Laar: Der Kampf um die Dardanellen, 1936, S. 12
[8] Maxim Gorki,
Nowaja Shisn, 19. Februar 1918
[9]
Laar S. 10-12
[10]
Erik-Jan Zürcher: Turkey in twentieth century, 2008
[11]
Gerhard Hirschfeld: Enzyklopädie Erster Weltkrieg, 2008, S. 758
[12] Rauf Orbay: Cehennem değirmeni: Siyasi hatıralarım, Bd. 1, S. 15
[13]
Sanders S. 24
[14] Sven Feyer:
Die Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und dem deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918, S. 25; nach den Daten von Mehmet Beşirli aus "Die europäische Finanzkontrolle im Osmanischen Reich in der Zeit von 1908 bis 1914, S. 307"
[15] Jonathan A. Grant: Rulers, Guns, and Money: The Global Arms Trade in the Age of Imperialism, 2007, S.182-183
[16] Bernhard v. Bülow: Die Krisis: die Grundlinien der diplomatischen Verhandlungen bei Kriegsausbruch, 1920, S. 26
[17]
Benno v. Siebert: Diplomatische Aktenstücke zur Geschichte der Ententepolitik der Vorkriegsjahre, 1921, S. 668
[18] v. Bülow S. 26
[19] Rapport de la commission d'enquete sur les faits de la guerre. Premier volume. No. 704. Senat. 1919. Memoires de M. M. Emile Bourgeois et Georges Pages sur les faits diplomatiques qui ont preceds la guerre
[20] Dörte Löding: Deutschlands und Österreich-Ungarns Balkanpolitik von 1912 - 1914 unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wirtschaftsinteressen, 1969, S. 132
[21] Wangenheim an Auswärtiges Amt, 13.09.1913, IA Türkei 203 Nr. 6 Bd. 1
[22] Wangenheim an Jagow, 7.5.1914 GP 36/II, Nr. 14587
[23] Gregor Schöllgen: Imperialismus und Gleichgewicht. Deutschland, England und die orientalische Frage, 2000, S. 410
[24] Ilber Ortaylı: Osmanlı İmparatorluğu'nda Alman Nüfuzu, 1980, S. 83-84
[25]
Tevfik Çavdar: Talat Paşa, 2001, S. 336
[26]
Yusuf Hikmet Bayur: Türk inkilâbi tarihi, 1991, Bd. 2, S. 642
[27] Edward J. Erickson: Ordered to die - a history of the Ottoman Army in the First World War, S. 31
[28] Erickson, S. 28
[29] Laar, S. 42
[30] Laar, S. 43
[31] Hirschfeld, S. 760
[32] Laar, S. 48
[33] H
ans Kannengießer Pascha: The campaign in Gallipoli, 1928, S. 15
[34] Dr. Christian Zentner: Der Erste Weltkrieg, 2000, S. 167
[35]
Laar, S. 80-81 vgl. Friedrich Wallisch: Flagge Rot-weiß-rot
[36] Türk Silahli Kuvvetleri Tarihi, Bd. 3, 1971, S. 192-193
[37] Ronald Broboff: Roads to glory - late imperial Russia and Turkish Straits, 2006, S. 100-106
[38] Samuel Zurlinden: Der Weltkrieg, S. 497
[39]
Albert Hopman: Das ereignisreiche Leben eines Wilhelminers, 1901-1920, S. 478
[40] Gotthard Jäschke: Der Turanismus der Jungtürken, Welt des Islams, 1941, S. 11
[41] Dr. Carl Mühlmann: Das deutsch-türkische Waffenbündnis im Weltkriege, 1940, S. 23
[42] Laar, S. 130
[43] Die deutschen Marinen im Minenkrieg, Bd. 1, 2006, S. 159-163
[44] Dr. Carl Mühlmann: Deutschland und die Türkei, 1913-1914, S. 77
[45] Ahmed Seyhun: Said Halim Pasha - Ottoman Statesman and Islamist Thinker, 2003, S. 167-168

 

 

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