Weg zur Weltmacht

 

Die Wiedergeburt des Reiches

Mit Sultan Mehmed I. Han fand das Osmanische Reich nach 11 Jahren ein neues, ehrgeiziges und taktisches Genie, das den Thron bestieg. Nach dem Interregnum war das Reich wirtschaftlich und militärisch geschwächt. Der Bürgerkrieg hatte zuviel Kraft gekostet, als das die Osmanen neue Eroberungspläne verfolgen konnten. Während die Osmanen an der Reorganisation ihres Landes bemüht waren, kam ihnen die Situation Westeuropas gerade gelegen: Der Reformator Jan Hus starb 1415 auf dem Scheiterhaufen von Konstanz, was einen Aufstand von böhmischen Anhängern (Hussiten) zur Folge hatte, der schließlich in den Hussiten-Kriege (1419-1436) endete. Somit hatte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation unter König Sigismund alles daran gesetzt, die innere Ordnung wiederherzustellen. An die Osmanen, deren Reich langsam wieder erstarkte, die sich aber vorerst noch nicht anschickten, großangelegte Eroberungszüge zu führen, dachte man damals wenig. Bevor jedoch Mehmed I. sich den inneren Problemen des Reiches widmen konnte, sicherte er den diplomatischen Frieden. Er schloss Frieden mit Venedig und unterhielt beste Beziehungen zum byzantinischen Kaiser in Konstantinopel. Mehmed I. versuchte rasch die im Osten verlorenen Territorien zurückzugewinnen. Zunächst schien es sogar möglich, dass die Osmanen völlig aus Asien vertrieben würden. Die Gefahr stellte Isfandiyar Mubariz al-Din dar, der die Kontrolle über das Fürstentum Candar erlangt hatte und dessen Namen die Dynastie von Candar danach annahm. Er hatte seine Macht zuvor bereits von der Heimat seiner Familie in Sinop auf Kastamonu, Safranbolu und Samsun ausgedehnt und formte nun eine Allianz mit der wieder eingesetzten Herrscherfamilie des Beyliks Karaman im Süden Anatoliens. Sultan Mehmed I. besiegte Isfandiyar, und dessen Krieger wurden zum großen Teil in das osmanische Bulgarien (in der Nähe von Filibe) zwangsumgesiedelt. Durch diese Methode entwickelte sich dort die Stadt "Tatar Pazarcik" (dt. Markt der Tataren, heute Pazardzhik). Da sich dieses Vorgehen als Erfolg herausstellte, wurden solche Umsiedlungen zur allgemeinen osmanischen Politik. Auf diese Art gelang es, widerspenstige Stämme aus Anatolien, zu gewöhnlich verlässlichen Garnisonen in Rumelien zu machen. Mehmed I. war darum bemüht treue Vasallen in Anatolien in Ruhe zu lassen und aufständische Emire in ihre Schranken zu weisen, so das Fürstentum Karaman, das immer wieder durch die Osmanen zurückgedrängt werden musste. Von den 700.000 km² die die Osmanen vor dem Interregnum zu Zeiten Bayezids besaßen, verfügte Mehmed I. nur über die Hälfte. Es sollte mehrere Jahrzehnte dauern, ehe sich das geschrumpfte Reich durch Zurückeroberung verlorener Gebiete wieder auf die Fläche erstreckte, welche den Osmanen um 1400 schon gehört hatte.

Derwischaufstand (1420)

Der Bürgerkrieg kostete den Osmanen zwar Gebiete, jedoch blieb das osmanische Volk vor einem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Niedergang verschont. Die intellektuellen Qualitäten des Sultans verhalfen dem Reich zu einem schnellen kulturellen Aufschwung, sodass schon im Jahr 1416 eine osmanische Flotte ausgerüstet und Bursa zu einem Zentrum für Architektur und Naturwissenschaften wurde. In die Regentschaft von Mehmed I. fällt jedoch auch der sogenannte "Derwisch-Aufstand" von 1420. Dieser Aufstand war einzigartig in der osmanischen Geschichte und nichts Vergleichbares geschah im darauffolgenden halben Jahrtausend. In Anatolien propagierten die Sufi-Bruderschaften sich gegen den Sultan zu erheben, um auf die wachsende Armut im Hinterland hinzuweisen. Sufis wie Scheich Bedreddin und Börklüce Mustafa predigten pantheistische und frühkommunistische Ideen und riefen die Bauern zum Aufstand auf. Die vereinte rumelische und anatolische Heeresmacht des Padişah machte dem jedoch schnell ein Ende: Bei Karaburun wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen, Börklüce Mustafa gefangengenommen und gefoltert. Als er nicht bereit war sich von seinen Lehren loszusagen, wurde er als Warnung gekreuzigt und seine Jünger vor seinen Augen hingerichtet. Das osmanische Heer zog weiter gegen den Aufständischen Torlak Kemal, der sich mit 3000 Männern in Manisa verschanzte. Die Derwische wurden vernichtend geschlagen, Torlak Kemal starb am Galgen. Im Osmanischen Reich werden die Sufi-Bruderschaften unter staatliche Kontrolle gestellt.

Tod Mehmed I. und Regentschaft von Murad II.

Mehmeds Regierungszeit war nicht ausreichend lang, um das zerrüttete Reich endgültig zu konsolidieren. Kurz vor seinem Tod begab er sich höchstpersönlich nach Konstantinopel, wo er dem byzantinischen Kaiser einen Freundschaftsbesuch abstattete. Ihm gelang es, die Einkünfte der wichtigen Erzgruben von Kastamonu wieder für die Osmanen zu sichern. Im Jahr 1421 stirbt Sultan Mehmed I. Han an den Folgen einer Gehirnblutung, die er sich bei einem Sturz vom Pferd durch einen elliptischen Anfall zuzog. Sein ältester Sohn Murad muss sich jedoch gegen den "falschen Mustafa" durchsetzen, ein Hochstapler der von sich behauptete, verlorener Sohn Bayezids zu sein und Anspruch auf den Thron zu haben. Um der Sache Herr zu werden wurde die Belagerung Konstantinopels (1422) abgebrochen und nach Adrianopel stationiert. Bei Adrianopel (Edirne) kommt es zur offenen Feldschlacht zwischen den Anhängern Murads und Mustafas. Mustafa gelingt es die Truppen Murads zum überlaufen zu bewegen und lässt den Befehlshaber Bayezid Paşa hinrichten. Murad verliert die Schlacht und zieht sich nach Anatolien zurück. In Anatolien setzten jedoch die Fürsten, vor allem die Karaman, auf den Prinzen Murad und bevor es zur Feldschlacht kam, ergriff die Armee Mustafas die Flucht. Mustafa wurde gehängt. Murad II. festigte nun seine Macht und führte fast ununterbrochen Kriege. Der im 14. Jahrhundert aufgebaute gute Staatsapparat funktionierte wieder, ja erstarkte unter Murad II. Vier Wesire standen dem Sultan zur Seite. Das erweiterte Reich unterstand auf dem Balkan dem Beylerbey von Rumelien, in Kleinasien dem Beylerbey von Anatolien. Das System der Territorialeinheiten, der Sancaks, umfasste alle annektierten Gebiete. Das Heerwesen straffte Murad II. planmäßig und mit großem Erfolg; die osmanische Armee wurde bereits Ende der dreißiger Jahre wieder zu der durchorganisierten, schlagkräftigen, überall gefürchteten Streitmacht die sie vor 1400 gewesen war.

Wurden die Janitscharen unter Murad I. organisiert, so baute Murad II. die Aushebung durch die nunmehr institutionalisierte Knabenlese (Devşirme) aus. Der Sultan entschloss sich 1444, nachdem er glaubte, sich mit dem Hauptgegner Ungarn arrangiert zu haben, zu einem in der osmanischen Geschichte recht ungewöhnlichen Schritt, nämlich zur Abdankung. Ohne das Alter oder politische Enttäuschung dafür als Ursache feststellbar wären, kommt nur der Tod seines ältesten Sohnes Alaeddin Ali (1443) als mögliche Ursache in Frage. Er übertrug seinem 12-jährigen Sohn Mehmed die Amtsgeschäfte und zog sich zurück auf seinen Jagdsitz nach Magnesia (Manisa). Als jedoch im selben Jahr der König von Ungarn den Waffenstillstand brach und sich ein Kreuzfahrerheer gegen die Osmanen bildete, bat der alte Großwesir Çandarlı Halil Paşa Murad II. die Amtsgeschäfte seines überforderten Sohnes zu übernehmen, was er auch tat. Er besiegte das Kreuzfahrerheer in der Schlacht von Warna (1444) und zog sich anschließend wieder zurück auf seinen Jagdsitz in Magnesia. Als es 1445 zum Janitscharenaufstand kommt, muss der Sultan seinem Sohn erneut helfen und beschließt, weiterhin als Sultan das Reich zu regieren. 1448 besiegte Murad II. das damals größte Heer der Christenheit bei der Schlacht auf dem Amselfeld und räumte damit dem Osmanischen Reich die Vormachtsstellung im südlichen Balkan ein. Das Osmanische Reich war nicht mehr aus Europa zu verdrängen. Er gewann durch planmäßige Eroberungspolitik den größeren Teil der nach 1402 verlorenen Territorien zurück. Bei seinem Tod umfasste das Reich ein Gebiet von etwa 500.000 km².

Mehmed II. der Eroberer

Nach dem Tod von Murad II. bestieg sein 20-jähriger Sohn Mehmed nach langer Wartezeit den osmanischen Thron im Jahr 1451. Mehmed II. kümmerte sich zunächst um die außen- und militärpolitische Absicherung seines Planes das byzantinische Restimperium zu erobern. Am 20. September 1452 schloss er mit Ungarn ein Waffenstillstandsabkommen, wohl wissend, dass er dann auch von den restlichen abendländischen Staaten nichts zu befürchten hatte. Mit Venedig wurde ebenso ein Arrangement getroffen. Die Situation war günstig, da durch die Schlacht von Warna (1444) und Amselfeld (1448) kein starkes christliches Heer für die Rettung Konstantinopels bereitstand. Aber so günstig auch die Situation war, die Byzantiner forderten den Padişah bewusst aus Geldes wegen heraus! Die militärisch schon längst Machtlosen operierten immer wieder mit einer besonderen Art von Erpressung, indem sie irgendwelche Mitglieder der kaiserlichen Familie Osman als potentiellen Prätendenten in Konstantinopel parat hielten. Diesmal war es Prinz Orhan, der 20-jährige Bruder Mehmed II., für dessen Unterhalt der Sultan regelmäßig Alimente an den Kaiser zahlte, freilich insbesondere dafür, dass der Prinz auch passiv in Konstantinopel verharrte. Urplötzlich wurden da beim Sultan, der sich in Anatolien aufhielt, byzantinische Gesandte vorstellig, die sich darüber beschwerten, dass das Unterhaltsgeld für Prinz Orhan nicht geleistet worden sei und die damit drohten, diesen freizulassen, falls nun nicht nicht der doppelte Betrag bezahlt würde. Der greise Großwesir Çandarlı Halil Paşa reagierte nach dem Chronist Dukas folgendermaßen auf die Drohung:
"Ihr unvernünftigen und törichten Römer! Ich durchschaue eure listigen und trügerischen Anschläge schon längstens... Ihr Toren! Die Schrift des unterzeichneten Vertrages ist kaum trocken, so kommt ihr nach Asien herüber, uns mit eurem gewöhnlichen Popanz zu schrecken. Wir sind nicht unerfahrene und ohnmächtige Kinder, könntet ihr etwas tun, so tut es; wollt ihr den Orhan zum Herrn von Thrakien ausrufen, so ruft ihn dazu aus, wollt ihr die Ungarn über die Donau rufen, so mögen sie kommen, wollt ihr eure an uns verloren Länder wieder zurück erobern, so versucht es; nur wisset, dass euch nichts von allen dem gelingen, sondern das euch noch das, was ihr zu besitzen scheint, entrissen werden wird!

Belagerung und Fall von Konstantinopel

Zum endgültigen Bruch mit den Griechen kam es jedoch 1452, als eine byzantinische Delegation sich über den Bau der Trutzburg Rumeli Hisarı beschwerte. Dies war der Anfang vom Ende: Es folgte die Kriegserklärung. Mehmed II. der als einer der ersten Monarchen die Wirkung der Artillerie zu schätzen wusste, beauftragte seine Büchsenmeister Kanonen mit größerem Kaliber gießen zu lassen, um die Mauern Konstantinopels durchbrechen zu können. 50 Ochsen und 700 Mann waren von Nöten um eine Kanone der Belagerungsgeschütze zu transportieren. Ein anderer Geniestreich des Sultans war die Umgehung einer Sperrkette am Goldenen Horn, die die Byzantiner im inneren Hafen Konstantinopels anbrachten um eine Durchfahrt der osmanischen Flotte zu verhindern, in dem er seine Flotte über den Landweg nachts in den Hafen schleppen ließ. 70 Biremen und einige Triremen in den Hafen gezogen, dafür wurden ganze Wälder abgeholzt. Die Verteidiger versuchten, die feindlichen Schiffe bei Nacht in Brand zu stecken, doch wurde der Plan den Osmanen verraten. Sie waren auf der Hut und versenkten mit gezieltem Artilleriefeuer das griechische Schiff, welches die Pyrotechniker an die osmanischen Schiffe heranführen sollte. Der darauffolgende Winter verlief ohne entscheidende Kampfhandlungen. Der Sultan begab sich Mitte Januar in die Hauptstadt Adrianopel, damit er die letzten Vorbereitungen aus geringer Entfernung lenken konnte. Er befahl die Büsche und Weingärten um Konstantinopel abzuholzen. Kleine Befestigungen der Byzantiner um Konstantinopel wurden im Sturm erobert. Die osmanische Armee verfügte, nach heutigen Standpunkt der Historiker, über 80.000 bis 100.000 Fußtruppen, wovon alleine 12.000 Fußtruppen von Janitscharen gestellt wurden; eine für die Belagerungsschlacht zahlenmäßig starke Truppen von ungeheuerlicher Schlagkraft. Über die Zahl der Byzantiner gibt es jedoch präzise Angaben. Kaiser Konstantin ließ eine Zählung durchführen, die ergab, dass die byzantinische Besatzung 4973 Soldaten zählte. Dazu zählten noch 3000-4000 Soldaten aus westlichen Ländern, Söldner, darunter viele Genuesen.

Die Osmanen waren in den Monaten Februar und März 1453 damit beschäftigt ihr schweres Kriegsgerät in Stellung zu bringen. Am 2. April (Ostermontag) traf Mehmed II. mit seinem Gefolge ein. Das Zentrum der Belagerungsarmee lag gegenüber der Romanos-Pforte der Stadt. Dort wurde das Zelt des Sultans aufgeschlagen, die 12.000 Janitscharen umgaben das Lager des Großherrn. Nach altem Brauch platzierten sich die anatolischen Verbände rechts von der Sultansschanze und an der Küste. Die rumelischen Verbände links vom Zentrum und am goldenen Horn. Am 6. April wurde nach dem Freitagsgebet der Beginn der Belagerung ausgerufen. Die Armee rückte bis auf 1,5 Kilometer an Konstantinopel heran. Bis zum 21. April war der Kern der Verteidigungsanlage Konstantinopels durch das Bombardement der Osmanen systematisch zerstört worden. Doch Sturmangriffe wurden von den Byzantiner tapfer abgewehrt. Die Byzantiner hofften auf Hilfe von Außen - doch niemand kam. Mehmed II. übersandte Kaiser Konstantin eine Botschaft, in der er ihm die Kapitulation nahe legte um sein Volk vor der endgültigen Sklaverei zu verschonen - Konstantin lehnte ab. Am 29. Mai 1453 befahl der Sultan zum Großangriff. Er schickte die schwächsten Truppen zuerst an die Mauern um die Griechen im Glauben zu lassen das sie Erfolg hätten, um dann härter mit den Zentraltruppen zuschlagen zu können. Die osmanischen Truppen durchbrachen die Verteidigungslinie und fielen in die Stadt ein. Die Stadt wurde zur Plünderung freigegeben, doch durften die Bauwerke nicht beschädigt werden. Der Sultan ritt am Nachmittag in die Stadt ein und sein erster Weg führte zur Hagia Sophia. Er befahl einem Soldaten auf die Kanzel zu steigen und den muslimischen Gebetsruf auszurufen. Der Sultan legte die Fahne des Propheten Muhammed auf den Altar und wandte sich gen Mekka um das Gebet zu verrichten. Der Sultan ernannte Gennadios II. zum Patriarchen von Konstantinopel und unterstellte ihm die griechisch-orthodoxe Gemeinde. Er legte somit den Grundstein für das Millet-System. Der Sultan setzte sich nun für die Neubesiedlung Konstantinopels ein und bot jedem Haus und Land an, der in die neue osmanische Hauptstadt ziehen würde. Viele Griechen kehrten in ihre alte Hauptstadt zurück und ließen den Handel wieder aufblühen. Der Sultan erklärte in einem Vertrag mit dem Patriarchen, den Schutz für alle christlichen Untertanen zu übernehmen. Er verbot Frauen und Muslimen den Berg Athos zu betreten, dem Berg der Mönche und Klöster. Mehmed II. sagte einst "es sei das Land, in dem der Name Gottes Tag und Nacht verehrt werde, eine Zuflucht für die, die in Not sind und für Reisende." Wie der Chronist Dukas berichtet, erkannten die Griechen die Osmanen als neue Machthaber an, da ihnen die lateinischen Christen und vor allem der Papst verhasst waren.

Expansion auf dem Balkan und Bayezid II.

Drei Jahre nach dem Fall von Konstantinopel entschloss sich Sultan Mehmed II. die Stadt Belgrad zu belagern - das Tor zu Ungarn. Die Belagerung entwickelte sich jedoch zu einer schweren Niederlage für die Osmanen und Mehmed II. konzentrierte sich auf die Eroberung des Südbalkans. 1456 marschierten osmanische Truppen in Athen ein und 1459 wurde Nordserbien annektiert. 1462 wurde die Walachei unterworfen und 1463 fiel Bosnien ans Osmanische Reich. Zwischen 1463 und 1479 führten Osmanen und Venezianer einen blutigen Kampf auf dem Balkan. Erst mit dem Friedensvertrag von 1479 verpflichtete sich Venedig eine Reparationszahlung von 100.000 Golddukaten und ein jährliches Tribut von 10.000 Dukaten an den Sultan abzutreten. Im Gegenzug erhielt Venedig freie Durchfahrt durch osmanische Gewässer. Mit dem Tod von Skander Beg in Albanien (1468), fiel auch dieses Land an die Hohe Pforte. Der Hauptgegner Ungarn beließ es bei kleinen Grenzaktionen und dachte über einen großangelegten Feldzug erst gar nicht nach. Die osmanischen irregulären Kavalleristen der Akıncı plünderten hingegen die österreichischen Gebiete wie Ober- und Niederösterreich, Steiermark und Kärnten. 1480 haben 16.000 Akıncı das in der oberen Steiermark liegende Rottenmann heimgesucht - Landesherr Friederich III. war machtlos. In Anatolien besiegte der Sultan 1461 das Kaiserreich Trapezunt und 1473 das Fürstentum von Karaman. 1475 unterwarf Mehmed II. das Khanat der Krim-Tataren und machte sie zu seinen Vasallen auf der anderen Seite des Schwarzen Meeres. Besondere Erwähnung erfährt der Otranto-Feldzug (1480-81), kurz vor dem Tode des Sultans. 20.000 Soldaten des Padişah eroberten am 11. August 1480 die italienische Stadt Otranto und machen es zum Brückenkopf des Osmanischen Reiches in Italien. Als jedoch der große Feldherr Mehmed am 3. Mai 1481 stirbt, zieht die osmanische Garnison nach Verhandlungen friedlich ab. Mehmed II. dehnte das Reich bis 1481 auf 850.000 km² aus.

Sein Nachfolger sollte sein ältester Sohn Bayezid II. werden. Nach kurzem Thronstreit mit seinem jüngeren Bruder Cem und mit der Hilfe der Janitscharen, bestieg Bayezid II. 1481 den osmanischen Thron. Bayezid konzentrierte sich auf die Mamelucken, mit denen er von 1485 bis 1491 Krieg führte. 1503 wurde ein Frieden mit Ungarn unterzeichnet der verlängert und bis in die Regentschaft Selim I. erhalten blieb. Der Krieg mit Venedig (1499-1502) brachte den Osmanen verbleibende Festungen auf dem Peloponnes ein. Bayezid widmete sich inneren Reformen: Er konsolidierte die Finanzen, baute die Artillerie und Flotte aus und betrieb große Bautätigkeit. Aber auch bei inneren Unruhen ließ er hart durchgreifen: Die schiitischen Kızılbaş, die durch den persischen Schah Ismail unterstützt und gefördert wurden und zu Aufständen aufriefen, ließ Bayezid verfolgen, um Ruhe und Ordnung in Anatolien wiederherzustellen. Der nun 65-jährige Bayezid dankte am 25. April 1512 zu Gunsten seines Sohnes Selim ab.

Sultan Selim I. und die Eroberung des Orients

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, wandten sich die Feldzüge Selim I. der islamischen Welt zu. Durch Provokationen des persischen Schahs, brach Selim mit einem 140.000 Mann starken Heer nach Persien auf. Anfangs verweigerte Schah Ismail die Schlacht und zog sich zurück. Am 23. August 1514 konnte ihn Selim jedoch bei Caldiran in Ost-Anatolien stellen und vernichtend schlagen. Quantitativ und qualitativ war das Heer des Padişah den Persern überlegen, die sich besonders in der Anwendung von Feuerwaffen nicht mit Selims Streitmacht messen konnten. Der Sultan nahm Täbris ein, das Zentrum der aserbaidschanischen Hochfläche. Wegen der späten Jahreszeit und dem unwirtlichen Ländereien, musste Selim jedoch den Feldzug vorzeitig abbrechen. Persien sollte in seine Schranken gewiesen, noch nicht zerschlagen werden. 1516 wurde der nächste Feldzug im Orient gegen die Mamelucken eröffnet. Wenn die Osmanen weiterhin in Europa zu Felde ziehen wollten, musste die drohende Gefahr an der Südgrenze des Reiches ausgeschaltet werden. Am 24. August schlug Selim die Mamelucken bei Aleppo (Syrien) vernichtend. Der Mameluckensultan kam während der Flucht ums Leben. Am 12. Oktober wurde Selim in Damaskus als Befreier empfangen, wo er später überwintern sollte. Am 21. Januar 1517 stellten sich die Mamelucken zur letzten Schlacht bei Kairo auf. Sie wurden besiegt und das Mameluckenreich war ausgelöscht. Der Schattenkalif al-Mutawakkil III. wurde abgesetzt und Sultan Selim I. als Kalif der Muslime ausgerufen. Das Haus Osman übernahm das islamische Kalifat. Selim I. zog weiter in den Hedschas wo die heiligen Stätten des Islams dem Osmanischen Reich einverleibt wurden. Unerwartet stirbt Selim 1520 im Alter von nur 46 Jahren und hinterlässt seinem Sohn Süleyman ein Reich mit innenpolitischer Festigkeit und einer schlagkräftigen Armee.

Sein Sohn sollte als Sultan Süleyman I. Han, genannt "der Prächtige", in die Geschichte eingehen.

 

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