Untergang des Osmanischen Reiches

 

Das Ende des 1. Weltkrieges

Mit der Thronbesteigung von Sultan Mehmed VI. Vahideddin Han am 4. Juli 1918, geriet die Macht des Komitees für Einheit und Fortschritt unter dem Triumvirat von Talât Paşa, Enver Paşa und Cemal Paşa ins schwanken. Sultan Vahideddin, der sich immer gegen den Krieg aussprach, kritisierte die Regierung für ihre schlechte Kriegsführung und erkannte dem Kriegsminister Enver Paşa den Titel des "Vizegeneralissimus" am 4. Oktober ab und entließ ihn aus seinem Amt. Am 14. Oktober trat die Regierung von Großwesir Talât Paşa geschlossen zurück. Sultan Vahideddin ernannte General Ahmed Izzet Paşa zum Großwesir und beauftragte ihn eine neue Regierung zu bilden. Das neue Kabinett unter Großwesir Ahmed Izzet Paşa bildete sich aus anderen jungtürkischen Führungspersonen die indirekt mit dem Triumvirat Talât-Enver-Cemal in Verbindung standen. Während der Großwesir gleichzeitig das Amt des Kriegsministers bekleidete, wurde Ali Fethi Bey Innenminister und Rauf Bey neuer Marineminister. Cavit Bey verblieb als Finanzminister. Am 16. Oktober tritt der Ministerrat zusammen. Zugegen sind ebenfalls der deutsche General von Seeckt und der Adjutant des Sultans, Ali Nuri Bey. Letzterer kam von einer Sondermission aus Thrakien zurück und meldete die Einnahme Thrakiens durch französische Truppen. 26.000 osmanische Soldaten standen einer zwei Millionen starken Feindarmee aus französischen und griechischen Truppen entgegen. Finanzminister Cavid Bey sprang auf und fragte: "Ja, wo sind denn unsere eine Millionen Soldaten, für die ich monatlich das Verpflegungsgeld bereitstellen muss?" Ali Nuri Bey antwortete: "Ja, wenn Sie die Krankenhäuser, die nicht mehr einsatzfähigen Soldaten, die Schulen, die Offiziersfamilien und alles, was durch die Intendantur auf Staatskosten verpflegt wird, dazu rechnen, kommen sie auf ihre Million."[1] Am 17. Oktober tritt die osmanische Regierung mit den Entente-Mächten in Waffenstillstandsverhandlungen. Sultan V. Mehmed Vâhideddin Hân Hazretleri Als der Großwesir Sultan Vahideddin vom Beschluss des Kabinetts unterrichtete, äußerte sich der Sultan betrübt: "Das ist kein Waffenstillstand, sondern eine bedingungslose Kapitulation." Größere Hoffnungen setzte hierauf der Schwager des Sultans und späterer Großwesir Damad Ferid Paşa auf England. Als die Waffenstillstandsverhandlungen mit Admiral Calthorpe beginnen sollten, hatte sich Damad Ferid dazu gedrängt, die osmanische Delegation zu führen, und erklärt: "Sobald ich den Admiral sehe, schlage ich ihm vor, den Waffenstillstand auf der Basis der unbedingten territorialen Unversehrtheit des Staates zu schließen. Nimmt der Admiral dies nicht an, so fordere ich einen Kreuzer an, um nach London zu fahren. Nach meiner Ankunft dort bitte ich den König unter Hinweis auf meine Freundschaft mit seinem Vater, die Bedingungen anzunehmen, die ich in einer Denkschrift niederlege. Auf diese Weise kann ich den Staat aus dem Abgrund retten, in den ihn die Jungtürken gestürzt haben." Als Izzet Paşa dies hörte, sagte er zum Sultan: "Dieser Mann ist verrückt." Dasselbe hatte schon Kâmil Paşa von ihm gesagt, als er 1913 zur Londoner Konferenz reisen wollte, um dort zu erklären, dass die Abtretung irgendeines Gebietes des Osmanischen Reiches verfassungswidrig sei. Doch nur mit größter Mühe gelang es Izzet Paşa, durch einstimmigen Beschluss des Kabinetts den Sultan davon abzubringen, seinen Schwager nach Mudros zu schicken und ihn zu bewegen, den vom Kabinett vorgeschlagenen Marineminister Rauf Bey zu beauftragen, die Verhandlungen zu führen.[2] Am 30. Oktober unterzeichnet Marineminister Rauf Bey im Auftrag der Regierung den Waffenstillstand von Mudros, der den Ersten Weltkrieg für das Osmanische Reich beendet. Die Regierung unter Ahmed Izzet Paşa musste jedoch am 8. November zurücktreten, da sie beschuldigt wurde, nicht die Flucht des Triumvirats (Talât Paşa, Enver Paşa und Cemal Paşa) in der Nacht vom 2. auf den 3. November verhindert zu haben. Am 11. November 1918 wurde Ahmed Tevfik Paşa zum zweiten Mal ins Großwesirat berufen.

Die Besetzung Konstantinopels und Izmirs

Am 13. November marschierten die ersten britischen und französischen Truppen in Konstantinopel ein. 22 englische, 12 französische, 17 italienische und 4 griechische Kriegsschiffe ankerten am Goldenen Horn. Die Staatskassen waren leer und im ganzen Reich herrschte Hungersnot. Die Siegermächte unterstellten fast alle Behörden unter alliierte Kontrolle und nahmen die Finanzhoheit in Anspruch. Außerdem wurden Militärgerichte konstituiert, um jungtürkische Politiker für Kriegsverbrechen und Massaker an Armenier und Griechen abzuurteilen (siehe Istanbuler Prozesse). Die Verhaftung prominenter Jungtürken begann im Januar 1919 und wurde durch die griechisch-armenische Abteilung des britischen Hochkommissars vorbereitet.[3] Aufgrund des Drucks der Siegermächte ersuchte der Großwesir am 4. März 1919 seinen Abschied. Sein Nachfolger wurde der Schwager des Sultans- Damad Ferid Paşa. Mit ihm kam die oppositionelle "Freiheits- und Einigkeitspartei" (Hürriyet ve itilâf Fırkası) an die Macht, die 1913 von den Jungtürken des Komitees für Einheit und Fortschritt gewaltsam aufgelöst wurde und nun darauf besinnt war Vergeltung zu verüben. Der Großwesir und die Liberalen der FEP sahen nur in der völligen Kooperation mit den Siegermächten eine Chance, größeres Unheil für das Osmanische Reich zu verhindern. So entstanden mehrere Organisationen die sich für eine ententefreundliche Politik einsetzten: Im Dezember 1918 wurde die Wilson-Liga (Wilson Cemiyeti) gegründet, die sich für ein amerikanisches Mandat über dem Osmanischen Reich aussprach. Eine weitere wichtige Organisation war die "Vereinigung der Freunde Englands" (Ingiliz Muhipleri Cemiyeti) die durch die Initiative von Großwesir Damad Ferid Paşa und Innenminister Ali Kemal Bey ins Leben gerufen wurde.[4] Die Hoffnung, die Integrität und Souveränität des Osmanischen Reiches zu wahren, in dem man sich unter die Schutzherrschaft Großbritanniens stelle, wurde von dieser Organisation vertreten und fand viele Anhänger in den Kreisen der Intellektuellen von Konstantinopel. Im Volk gründeten sich ebenfalls Organisationen, die Angst vor einer griechischen Invasion hegten. Dazu gehörten die "Vereinigung zur Verteidigung der osmanischen Rechte in Smyrna" (Izmir Müdafaa-ı Hukuk-u Osmaniye Cemiyeti) und der "Osmanische Ausschuss zur Verteidigung der Rechte in Thrakien" (Trakya-Paşaeli Müdafaa Heyet-i Osmaniyesi). Sultan Vahideddin entsandte Ende April 1919 "Beruhigungskommissionen" (Heyet-i nasıha) nach Smyrna (Izmir) und Adrianopel (Edirne), unter der Führung der osmanischen Prinzen Şehzade Abdürrahim Efendi und Şehzade Cemaleddin Efendi. In der Stadt Denizli hielt Şehzade Abdürrahim folgende Ansprache: "Der Padişah lässt euch grüßen. Er lässt mitteilen, dass er Tag und Nacht für das Wohl der Nation arbeite, dass das Kalifat vor Gefahr geschützt sei, dass man die Bestimmungen des Waffenstillstandes zum Wohle der Nation und des Landes beachten müsse, dass die Bevölkerung in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und sich mit den Christen gutstellen solle.[5] Doch kurz nach der Abreise der Prinzen, landen griechische Truppen am 15. Mai 1919 in Izmir und verüben Massaker an der Zivilbevölkerung. Allein am ersten Tag der Invasion wurden etwa 1.000 Zivilisten getötet. Auf Drängen der osmanischen Regierung reiste eine Untersuchungskommission der Pariser Verhandlungsdelegationen ein, die Griechenland später für schuldig befand.[6]

Die Entsendung von Mustafa Kemal Paşa nach Anatolien

Nach dem 1. Weltkrieg bildeten sich im Osmanischen Reich Räte- und Bandengruppen, die für ihre Brutalität bekannt waren. Einer der bekanntesten Bandenführer war der Freischärler Topal Osman, der mit wenigen hundert Mann in den Städten Giresun, Samsun und Merzifon christliche Bewohner massakrierte. Ausgelöst wurden diese bürgerkriegsähnlichen Zustände und Übergriffe durch die Angst der muslimischen Bevölkerung, dass um Trabzon ein neuer griechischer Staat entstehen könne. Um die Ordnung wiederherzustellen, beauftragt der englische Hochkommissar die Istanbuler Regierung, drei Armeeinspekteure in die Gebiete zu schicken. Innenminister Mehmed Ali Efendi schlug dem Großwesir Damad Ferid Paşa vor, "eine fähige Person mit einer umfassenden Vollmacht in die Gegend der Vorkommnisse zu entsenden." Auf die Frage: "Wen zum Beispiel empfehlen Sie?", hatte Mehmed Ali geantwortet: "Mir fällt Mustafa Kemal Paşa ein!" Mehmed Ali hatte schon lange auf diese Gelegenheit gewartet. Nun gab es aber kaum ein eifriges Mitglied der "Freiheits- und Einigungspartei" als ihn. Bei einem gemeinsamen Essen im Hause von Ismail Fazil Paşa, seinem Schwager und ein langjähriger Freund Kemals, habe er versprochen, Mustafa Kemal behilflich zu sein und die Partei von seiner Zuverlässigkeit zu überzeugen. In ähnlicher Weise wusste Mustafa Kemal Paşa das Vertrauen von Großwesir Damad Ferid Paşa  zu erwerben. Dieser überhäufte Ihn mit Liebeswürdigkeiten, als Şakir Paşa ihn vorstellte, und sagte, dass er ihm eine Vollmacht erteile. Kurz vor seiner Abreise lud er Mustafa Kemal Paşa und Cevad Paşa (neuer Generalstabschef) am 14. Mai 1919 in seine Wohnung zu einem Essen ein. Nach dem Essen fragte er (Damad Ferid) ihn (Mustafa Kemal) was er in Samsun und Umgebung zu tun gedenke. Mustafa Kemal erwiderte: "Nach den englischen Berichten haben dort einige Zusammenstöße stattgefunden. Sie sind, glaube ich, etwas übertrieben. Wie dem auch sei, wir werden an Ort und Stelle Untersuchungen vornehmen und eine Lösung finden." Zu Cevad Paşa gewandt fragte Großwesir Damad Ferid Paşa: "Was sagen Sie dazu?" - Kemal blickte Cevad Paşa an, der daraufhin antwortete: "So ist es, derartige Dinge sind nur an Ort und Stelle zu regeln!" Dann schien ein neuer Zweifel Damad Ferid zu beschäftigen: "Schön, würde sie mir bitte auf der Karte einmal Ihren Kommandobezirk zeigen?" Mustafa Kemal sagte: "Ganz genau weiß ich es auch nicht." Indem er mit einem Finger über die Karte ging, fügte er hinzu: "Vielleicht so ein kleines Gebiet." Dabei wandte er eindeutig Cevad Paşa den Blick zu, der sogleich das Gespräch aufnahm und meinte: "Natürlich wird Mustafa Kemal Paşa Truppen befehligen. Wo aber gibt es noch welche?" Damad Ferid schien sichtlich erleichtert zu sein.[7]

Der Sultan ernennt daraufhin den General Fevzi Paşa zum Inspekteur der 1. Armee, die für Konstantinopel und Umgebung zuständig ist, jedoch wegen der Militärpräsens der Siegermächte nichts zu sagen hat. General Cemal Paşa ist für die 2. Armee zuständig, die sich in der mittelanatolischen Stadt Konya befindet. General Mustafa Kemal Paşa wird Inspekteur der 9. Armee und der Armeeteile im Süden, die in der ostanatolischen Stadt Erzurum stationiert sind. Außerdem soll an der Schwarzmeerküste sowohl gegen die aufständischen Armenier und Griechen als auch gegen die gewalttätigen Muslime vorgehen.[8] Am 15. Mai 1919 kommt es zu einem Treffen zwischen Sultan Vahideddin und Mustafa Kemal Paşa im Yildiz Palast. Sultan Vahideddin beglückwünschte den General für seine Mission und sagte: "Paşa! Sie haben diesem Staat bis zum heutigen Tag sehr gut gedient. Sie sind in das Buch der Geschichte eingetragen. Vergessen Sie nun das Ganze. Das, was sie als nächstes tun werden, kann wichtiger sein, als das, was Sie bisher getan haben. Mein Paşa! Se können unseren Staat retten!" Mustafa Kemal Paşa antwortete: "Ich danke gehorsamst für das mir gegenüber bewiesene Vertrauen und Wohlwollen. Seien Sie versichert, dass ich meinen Dienst nach Kräften gewissenhaft versehen werde. Ich habe den Standpunkt Eurer Majestät verstanden. Sobald Sie zu befehlen geruhen, werde ich abreisen und keinen Augenblick den mir erteilten Befehl vergessen."[9] Als Abschiedsgeschenk erhält Mustafa Kemal von Sultan Vahideddin eine goldene Taschenuhr mit dem Wappen des Osmanischen Reiches.

General Mustafa Kemal Paşa arbeitete schon nach dem Waffenstillstand Pläne für einen bewaffneten Widerstand aus. Hierzu half ihm sein langjähriger Freund General Ali Fuad Paşa, Sohn von Ismail Fazil Paşa, der ihn in Konstantinopel besuchte. Währenddessen tritt Marineminister Rauf Bey von seinem Posten zurück und schließt sich wie Oberst Ismet Bey der Gruppe um Mustafa Kemal an. Ebenso wird Kemal von General Kazım Paşa unterstützt, dem das 15. Armeekorps in Ostanatolien untersteht. Diese Männer um Mustafa Kemal sollten später zu den Symbolfiguren des Befreiungskampfes werden.[10] Nun sollte Mustafa Kemal Paşa als bevollmächtigter Generalinspekteur entsendet werden. Die offizielle Mission enthielt folgende Befehle:
1. Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung im Bezirk von Samsun
2. Einsammlung und Lagerung von Waffen und Munition
3. Auflösung der "Rebellen-Räte" im Gebiet der sogenannten "drei Sancak's" Kars, Ardahan und Batumi, soweit sie nicht schon von den Engländern aufgelöst worden waren.
Mustafa Kemal Paşa und die ihm beistehenden Generäle beschließen, in Anatolien den Befreiungskampf zu entzünden und alle Waffen vor den Siegermächten in Sicherheit zu bringen. Doch viele Offiziere und Politiker sind von den Engländern eingeschüchtert. Ali Fuat berichtet in seinen Memoiren, dass nur wenige bereit waren, den Befreiungskampf zu unterstützen: "Wir hatten zu vielen großen Persönlichkeiten Kontakt aufgenommen. Nur Rauf Bey, Refet Paşa und einige Kommandeure von Armeeeinheiten waren bereit, in Anatolien Aufgaben zu übernehmen."[11] Später wird Mustafa Kemal Paşa behaupten, dass hinter seiner Ernennung die Absicht des Sultans und der Engländer gestanden hätte, ihn aus Konstantinopel zu entfernen.[12] Wäre dem so, hätte die Regierung unter Großwesir Damad Ferid Paşa schon vorher seine Verhaftung veranlassen und ihn in Malta internieren können, da auch er ein Parteimitglied des jungtürkischen KEF's war. Die Rolle des Sultans in dieser Zeit der Umbrüche wurde oft diskutiert, er selbst über Jahrzehnte hinweg als "Feind des Volkes" denunziert, bis eine Rehabilitierung durch neutrale Historiker ermöglicht werden konnte. Doch weder der Sultan, noch die osmanische Regierung und sogar seine engsten Getreuen wissen nicht welche Absichten Mustafa Kemal wirklich verfolgt, nämlich die Gründung einer türkischen Republik. So formuliert ÖZGÖNÜL passend: "Während sich die Jungtürken als konstitutionelle Monarchisten verstanden und somit geistig und gänzlich in der imperialen osmanischen Tradition standen, war der kemalistische Republikanismus in seiner dezidiert antiimperialen Ausrichtung etwas fundamental Neues. Das Verhältnis zwischen Jungtürken und Kemalisten entspricht jenen von Reformern zu Revolutionären. Weder dachten die Jungtürken daran, das Sultanat abzuschaffen, noch das Kalifat. Die halbtheokratisch geprägte osmanische Rechtsordnung sollte säkularisiert werden, nicht laizisiert. Reformern ist zu eigen, dass sie das Alte bewahrend modernisieren wollen, Revolutionäre modernisieren durch einen umfassenden Bruch mit dem Alten."[13] Die politische Ausrichtung von General Mustafa Kemal Paşa ist bis in das Jahr 1908 zurück zu datieren: "Das Sultanat muss zerstört werden. Die Struktur des Staates muss auf einer homogenen Grundlage beruhen. Religion und Staat müssen voneinander getrennt werden [...]"[14] Ein weiteres Beispiel geht aus einem Brief an den Vizegeneralissimus Enver Paşa vom 20.9.1917 hervor, indem Mustafa Kemal Paşa fordert: "Wir müssen die Türkei verteidigen. Kein einziger Soldat darf mehr für das Osmanische Reich geopfert werden, jeder muss aufgespart werden für die Türkei!"[15]

Ankunft in Samsun und Beginn des Befreiungskrieges

Der mit allen Vollmachten ausgestattete General Mustafa Kemal Paşa landete mit einem Postboot am 19. Mai 1919 in der Schwarzmeer-Hafenstadt Samsun. Am 22. Mai sendet Kemal ein Telegramm an den Großwesir, in dem er die Ausgangsposition seiner zukünftigen Politik formuliert: "Das Volk hat sich vereint und hat sich seine eigene Herrschaft und den türkischen Nationalismus zum Ziel gesetzt."[16] Da britische Truppen in der Stadt stationiert sind, verlässt Kemal nach einer Woche Samsun und begibt sich ins Landesinnere, in die Kleinstadt Havza. Dort steht er in ständigem Telegrammwechsel mit den Kommandeuren in Anatolien, um die Sicherung der Waffen zu gewährleisten. Am 28. Mai schickt Kemal folgende Anweisung an die Kommandeure und Verwaltungsbeamte in Anatolien: "Die Einheit des Landes muss geschützt werden. Deswegen muss eine nationale Organisation gegründet werden. Gegen die feindliche Besatzung des Landes müssen Demonstrationen organisiert werden, und diese Aktionen müssen per Telegramm dem Volk, der Regierung in Istanbul und dem Ausland mitgeteilt werden."[17] Mustafa Kemal PaschaIn einem weiteren Schreiben wird Kemal noch deutlicher: "Die Istanbuler Regierung hat Anatolien nicht zu beherrschen, sondern sich unterzuordnen!"[18] Kemals Aktivitäten bleiben jedoch nicht lange verborgen und werden von den Engländern aufgedeckt. In einem Telegramm vom 6. Juni fordert General Milne die Istanbuler Regierung dazu auf, Mustafa Kemal Paşa sofort abzukommandieren: "Die Anwesenheit eines berühmten Paschas mit seinen Begleitern in türkischen Provinzen stört nicht nur die Öffentlichkeit, sondern es besteht aus militärischer Sicht dort auch kein Bedarf nach seinen Diensten. Deshalb verlange ich die unverzügliche Rückkehr Mustafa Kemals und seiner Begleiter nach Istanbul."[19] Auch die Istanbuler Regierung unter Großwesir Damad Ferid Paşa  beobachtet die Aktivitäten mit zunehmender Sorge. Der Ministerrat beschäftigt sich ausführlich in einer Sondersitzung mit der "Angelegenheit Mustafa Kemal" und entschließt sich zu dessen Abberufung. Kriegminister Şevket Turgut Paşa schickt Kemal daraufhin eine Order: "An den Inspekteur der 9. Armee! Sie werden gebeten, sich mit einem Ihnen zur Verfügung gestellten Dampfboot hierher zu begeben!"[20] Kemal weigert sich jedoch und sendet per Eiltelegramm: "Ich bin bereit, wenn nötig, meinen Beamtenstatus abzulegen und in Anatolien unter dem Volk zu bleiben, und ich werde meine Dienste für das Vaterland mit klareren Schritten fortsetzen."[21] Kemal ruft in einem Rundschreiben vom 22. Juni zur Entsendung von Volksvertretern für einen Nationalkongress in Sivas und für einen Regionalkongress der Ostprovinzen nach Erzurum. Aber nicht nur in Anatolien auch in Konstantinopel verändert sich die Situation: am 23. Juni hält Großwesir Damad Ferid Paşa vor dem Parlament eine Rede, die die griechischen Verbrechen verurteilt und die Integrität des Osmanischen Reiches untermauert: "Das osmanische Volk wird die Teilung oder die Besatzung des Reiches durch andere Nationen nicht hinnehmen. Keine Regierung der Welt kann gegen den Willen ihres Volkes handeln."[22] Am 2. Juli erhält Kemal ein persönliches Telegramm des Sultans: "Im Kriegsministerium haben wir beschlossen, dass Sie nicht aus Ihren Diensten entfernt werden sollen. Denn wir wollen Ihre Person nicht auf Druck der Ausländer kränken. Deshalb: legen Sie entweder Ihr Amt nieder und kommen Sie nach Istanbul, oder begeben Sie sich für zwei Monate zur Luftveränderung in eine andere Stadt, bis sich die Lage geklärt hat und der Frieden gesichert ist."[23]

In der osmanischen Regierung in Istanbul kam es um die Person Kemals zu heftigen Auseinandersetzungen. Kriegsminister Şevket Turgut Paşa sympathisierte mit den Nationalisten in Ankara und geriet dabei in Konflikt mit dem osmanischen Innenminister Ali Kemal Bey. Der Konflikt führte schlussendlich zur Amtsniederlegung des Kriegsministers. Sein Nachfolger wurde der amtierende Großwesir Damad Ferid Paşa.[24] Dieser telegraphierte erneut an Mustafa Kemal Paşa mit einer direkten Aufforderung, sofort nach Istanbul zurückzukehren: "Die Niederlage ist eine Krankheit ohne Gegenmittel. Wenn man den Wünschen der Sieger nicht nachkommt, wird das Vaterland noch größere Katastrophen heimsuchen. Deshalb muss die Regierung auf ihre Dienste verzichten. [...] Es ist notwendig, dass Sie die Gegend verlassen und sich hierher begeben."[25] Doch Mustafa Kemal versuchte die Befehle zu umgehen und beruft sich auf die desolaten Verhältnisse auf dem Land, um seinen weiteren Aufenthalt in Anatolien zu rechtfertigen. Ein offener Aufstand gegen den Sultan war unmöglich, da das Volk in ihm den unbestritten Herrscher sah, der das Osmanische Reich in den Institutionen des Sultanats und Kalifats widerspiegelte. So sagte Kemal später selbst: "Sie (das Volk) waren vielmehr infolge der durch die Jahrhunderte gefestigten Religion und der Überlieferungen dem Throne und seinem Inhaber (Vahideddin) treu. Wenn sie nach einem Rettungsmittel suchten, so beschäftigte sie aus atavistischen Gründen die Sicherheit des Sultanats und des Kalifats mehr als ihre eigene. Dass das Land ohne Padişah und ohne Kalif gerettet werden könnte, war eine Idee, die sie nicht fassen konnten. Und wehe denen, die eine gegenteilige Meinung äußern würden. Sie würden alsbald als Menschen ohne Glauben und ohne Vaterland, als Verräter angesehen und als solche verleugnet werden."[26] Um jedoch die Unterstützung des Volkes für seine Sache zu gewinnen, propagiert Kemal in seinen Reden die Erhaltung des Sultanats, plante jedoch im Hintergrund dessen Beseitigung und den Aufbau einer Republik. Am 3. Juli 1919 reiste Mustafa Kemal nach Erzurum. Dort angekommen, hielt er mit dem Kommandanten des 15. Armeekorps General Kâzım Paşa und anderen Beamten am Abend eine Sitzung ab. Mustafa Kemal gibt in dieser Nacht zum ersten Mal öffentlich bekannt, dass er beabsichtigt, einen unabhängigen Staat zu gründen und verlangt in einer pathetischen Ansprache unbedingte todesmutige Gefolgschaft.

Alle sieben Teilnehmer versichern ihm ihre Treue, doch am 6. Juli steht der Plan fast vor seinem endgültigen Scheitern, ohne wirklich begonnen zu haben: Zwei der Teilnehmer (der Gouverneur von Erzurum Münir Bey und General Kâzım Paşa) folgen dem Befehl der osmanischen Regierung, nach Konstantinopel zurückzukehren. Der Generalinspekteur der 2. Armee, General Cemal Paşa, kehrt ebenfalls auf Befehl nach Konstantinopel zurück. Als der Gouverneur von Samsun, Hamit Bey, ohne Widerstand durch die Regierung abgelöst wird, verkleinert sich die Schar der Gefolgsleute um Mustafa Kemal drastisch. Die Welle der schlechten Nachrichten erreicht schließlich am 8. Juli ihren Höhepunkt, als ein Telegramm aus Konstantinopel eingeht: "Da ihrem Beamtenstatus ein Ende gesetzt wurde, werden Sie vom Sultan nach Istanbul bestellt."[27] Damit verlor Kemal nicht nur seinen Posten als Generalinspekteur, sondern wurde aus der Armee ausgeschlossen. Am nächsten Tag lässt Mustafa Kemal dem Sultan nach eingehender Korrespondenz mit der Regierung mitteilen, dass er von allen seinen Ämtern zurücktritt und als einfacher Bürger den Befreiungskampf fortführen will. Am 10. Juli sollte eine Entscheidung den ganzen Verlauf des Befreiungskampfes ändern: Während Mustafa Kemal und Rauf Bey das Problem erörtern, dass man nicht mehr den Befehlen Kemals folge leisten würde, seit dem er den Dienst in der Armee quittiert habe, meldet der Diener Cevat Abbas unerwarteten Besuch aus Konstantinopel: General Kâzım Paşa in Begleitung mehrerer Offiziere. Die osmanische Regierung ernannte General Kâzım Paşa zum neuen Inspekteur der 9. Armee und beauftragte ihn mit der Verhaftung Mustafa Kemals. Als Kemal die Nachricht vernimmt erblast er und gerät in Panik. Wenn Kâzım Paşa diesem Befehl gehorchen würde, wäre alles vorbei, bevor es angefangen hatte.[28] Doch Kâzım entscheidet sich gegen den Befehl und bietet Kemal seine Dienste an.[29] Diese werden von Kemal dringend gebraucht, denn die nach Erzurum geladenen "Volksvertreter" lehnen eine Teilnahme Kemals am Kongress ab. Viele sehen in Kemal einen jungtürkischen Offizier und keinen Volksvertreter, und kritisieren seine mangelnde Religiosität.[30] Erst durch die persönliche Intervention Kâzım Paşa's wird seine Teilnahme und seine Wahl zum Vorsitzenden erst möglich.[31] Am 13. August 1919 telegraphiert Mustafa Kemal an zahlreiche Anführer der kurdischen Stämme, um Unterstützung für sein Vorhaben zu erbitten. Ein Telegramm erreicht den Kurdenanführer Hacı Mustafa Bey, den Kemal an ihre gemeinsame Freundschaft im 1. Weltkrieg erinnerte.[32] Bei den Großgrundbesitzern (Ağas) wie Şırnaklı Abdurrahman Ağa, Dersevli Ömer Ağa, Norsinli Şeyh Ziyaettin Efendi und Şeyh Abdulbaki Efendi setzte Kemal auf eine religiöse Argumentation: "Kein guter Muslim darf zulassen, dass das Kalifat und das osmanische Sultanat zerstört werden."[33] Kemal ruft zu einem landesweiten Kongress nach Sivas auf, dessen Einberufung seine Gefolgsleute inzwischen überall im Land angekündigt haben.

Der Kongress von Sivas und Annäherung an Konstantinopel

Am 4. September 1919 treffen in Sivas 39 Delegierte aus 15 Regionen ein. Sie machen nur ein Drittel der vorgesehenen Delegiertenzahl aus. Der Kongress hat somit keineswegs den Charakter einer Nationalversammlung - wie Mustafa Kemal meint.[34] Doch die Nationalisten betrachten das Kommen der Delegierten als einen grandiosen Erfolg und gründen die "Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte Anatoliens und Rumeliens" (Anadolu ve Rumeli Müdafaa-i Hukuk Cemiyeti). Mustafa Kemal wird mit drei Gegenstimmen zum Präsidenten des Kongresses gewählt. Während dieser Zeit nimmt Rauf Bey eine oppositionelle Stellung gegen Kemal ein. Doch zur Enttäuschung von Mustafa Kemal ist die politische Einstellung der Delegierten traditionalistisch-religiös ausgerichtet. So befindet sich auch eine Gruppe von Monarchisten im Kongress, die einem Bruch mit dem Sultanat niemals zustimmen würden. So beschließt der Kongress, der vom 4. bis zum 11. September tagte, "die Einheit des Landes, das Sultanat, das Kalifat sowie die nationale Unabhängigkeit zu verteidigen."[35] Die Teilnehmer des Sivas-Kongresses solidarisieren sich mit dem Sultan, jedoch nicht mit seiner Regierung. Am 14. September erreicht Sultan Vahideddin ein Telegramm aus Sivas, dass die Absetzung der Regierung von Damad Ferid Paşa und die Einsetzung einer neuen patriotischen Regierung fordert. Als aus Konstantinopel keine Antwort kommt, droht Kemal in einem Telegramm vom 18. September mit dem sofortigen Abbruch sämtlicher telegraphischer und postalischen Verbindungen zur Zentralregierung in Konstantinopel.[36] Sein eigenmächtiges Handeln wird von seinen Gefolgsleuten, insbesondere von Kâzım Paşa kritisiert, der, wie einst Rauf Bey, immer mehr eine oppositionelle Haltung gegen Kemal einnimmt. Auch die Bevölkerung von Sivas kritisiert Kemal. So äußert sich Kemal später zu Journalisten: "Das Volk von Sivas samt ihren islamischen Gelehrten sagte zu mir, dass es meiner Person gegenüber loyal bleiben werde. Aber sobald das Telegramm von [Innenminister] Ali Kemal eintraf, klebten sie Zettel an die Häuserwände, auf denen stand, dass Mustafa Kemal ein Verräter sei."[37] Die Abneigung der Bevölkerung aus Sivas, sollte auch später eine der Gründe sein, warum Kemal das Zentrum seiner Bewegung ins zentralanatolische Ankara verlegen sollte. Inzwischen kommt es in Istanbul zum Machtwechsel: Sultan Vahideddin entlässt am 30. September Großwesir Damad Ferid Paşa und schreibt Neuwahlen aus. Am 6. Oktober wird Marschall Düztaban Ali Rıza Paşa neuer Großwesir des Osmanischen Reiches. Der neue Großwesir ändert jedoch den Kurs: Die neue osmanische Regierung ist nicht nur bereit den in Sivas dokumentierten nationalen Willen und auch das Repräsentativkomitee anzuerkennen, sondern auch Mustafa Kemal Paşa Rang und Titel zurückzugeben. Am 7. Oktober 1919 erklärte das Repräsentativkomitee in Sivas die nunmehr volle Einigkeit mit der Istanbuler Regierung - ein schwerer Schlag für die Führungsperson Mustafa Kemal.[38] Kemal befürchtete seinen Status zu verlieren, denn eine Istanbuler Regierung mit ähnlichen Zielen wie die der Nationalisten in Anatolien werden bei der Bevölkerung mehr Gehör finden, als die Bestrebungen einiger "Aufständischer". Am 20. Oktober 1919 trafen sich in Amasya der osmanische Marineminister Salih Hulusi Paşa und Mustafa Kemal Paşa zu einem Verhandlungsgespräch. Es wurden zwei Geheimprotokolle unterzeichnet, in der die Istanbuler Regierung das Repräsentativkomitee "Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte Anatoliens und Rumeliens" (Anadolu ve Rumeli Müdafaa-i Hukuk Cemiyeti) so gut wie anerkannte. Der Marineminister befürwortete die Zusammenkunft der neugewählten Abgeordneten in Anatolien, bevor sie sich nach Istanbul begaben. Im Gegenzug erklärte sich Mustafa Kemal bereit, die Widerstandskomitees in Anatolien aufzulösen, wenn das neugewählte Parlament in Istanbul tatsächlich die nationalen Interessen vertreten sollte.[39] Zur gleichen Zeit entsendet Kemal junge Offiziere in die französischbesetzten Gebiete in Ost-Anatolien, um aus Widerstandsgruppen schlagkräftige mobile Einheiten zu machen. Am 27. Dezember verlegte das Repräsentativkomitee seinen Sitz von Sivas nach Ankara.

Anfang Dezember 1919 fanden die angekündigten Wahlen der Istanbuler Regierung statt. Von 175 Abgeordneten gehören 116 dem Repräsentativkomitee Mustafa Kemals an. Sie bilden im Parlament eine eigene Fraktion unter dem Namen "Gruppe zur Rettung des Vaterlandes" (Felah-ı Vatan Grubu), Fraktionsvorsitzender wird der ehemalige Marineminister Rauf Bey. Die Felah-ı Vatan Grubu beschloss ein Programm aus 5 Punkten, das "die absolute Freiheit des osmanischen Volkes, die Zurückweisung von Einmischungen in die Rechte des Sultanats und Kalifats, die Eröffnung von Friedensgesprächen, die Anerkennung aller Vorgaben der osmanischen Verfassung und die Arbeit im Sinne der nationalen Ziele" zum Inhalt hatte.[40] Am 12. Januar nahm das neu geschaffene osmanische Parlament seine Arbeit auf. Am 20. Januar verabschiedet das Parlament den "Nationalpakt" (Misak-ı Millî) der zur Grundlage der Widerstands- und Befreiungsbewegung werden sollte. Der Nationalpakt enthielt die Forderung nach Volksabstimmungen in Westthrazien (und Thessaloniki) und in den Gebieten mit arabischer Mehrheit, sowie Forderungen bezüglich der Sicherheit Konstantinopels und der Meerengen, das Recht der Minderheiten und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Reiches. Bemerkenswert war, dass der Nationalpakt nicht die nationale Souveränität der Türken, sondern aller "muslimischen Osmanen" forderte.[41] Mustafa Kemal, der ebenfalls zum Abgeordneten gewählt wurde, bleibt jedoch dem Parlament fern, weil er befürchtet wegen Rebellion gegen den Sultan verhaftet zu werden. Kemal plant währenddessen mit Oberst Ismet Bey und anderen Offizieren in Ankara Pläne für den Aufbau einer eigenen Armee auf. In Ankara steht Kemal derzeit das 20. Armeekorps zur Verfügung, das seinem engen Freund Ali Fuat Paşa untersteht. In Konstantinopel kommt es zur gleichen Zeit zu einem Kurswechsel innerhalb der Felah-ı Vatan Grubu. Die nationalistischen Abgeordneten bezeugen Sultan Vahideddin ihre Treue und vertreten die Meinung, dass die "Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte in Anatolien und Rumelien" in Ankara sowie die nationalen Streitkräfte in Anatolien überflüssig geworden seien.[42] Am 23. Februar fordert sogar Kâzım Paşa Mustafa Kemal in Ankara auf, sich dem Parlament in Istanbul zu fügen - was er jedoch ablehnt. Kemal bemerkt, dass er einen strategisch wichtigen Fehler mit den freien Wahlen machte, da er nun in Ankara isoliert ist, während andere (namentlich sein Gegner Rauf Bey) in Istanbul die Politik machen. Am 3. März 1920 gehen die griechischen Truppen östlich von Izmir zur Offensive über. Sie dringen weit ins Landesinnere. Sultan Vahideddin protestiert gegen die alliierten Vertreter erfolglos, Großwesir Ali Rıza Paşa tritt noch am gleichen Tag aus Protest zurück. Sein Nachfolger wird Salih Hulusi Paşa.

Vom osmanischen Parlament zur Nationalversammlung in Ankara

Doch die Briten sehen in den nationalistischen Abgeordneten ein zu großes Unruhepotenzial für die Hauptstadt. In der Nacht vom 14. auf den 15. März besetzten britische Truppen strategisch wichtige Gebäude in Istanbul und nahmen 150 Politiker und Offiziere in Haft, darunter 5 Abgeordnete der Felah-ı Vatan Grubu. Zu den Verhafteten gehörte auch Rauf Bey, welcher mit den anderen nach Malta deportiert wurde. Sie sollten erst ein Jahr später freigelassen werden. Als Reaktion auf die Verhaftung, ließ Kemal am 16. März dreißig britische Offiziere als Geisel nehmen und erließ eine Proklamation an das Volk, in der er das Osmanische Reich für zerstört erklärte. Nun hieße es einen Befreiungskampf zu führen, "um den Beifall der Menschheit zu verdienen und den Weg vorzubereiten zu der Befreiung, die die Welt des Islams betreibt, wenn wir den Sitz des Kalifats von fremden Einflüssen frei machen, ihn mit einer Glaubenstreue verteidigen, die unseres Ruhmes würdig ist, und indem wir die Unabhängigkeit der Nation verwirklichen."[43] Das osmanische Parlament tritt am 18. März zum letzten Mal zusammen, protestiert gegen die Verhaftung der Abgeordneten und löst sich schließlich am 11. April 1920 auf. 84 Abgeordnete des ehemaligen osmanischen Parlaments können nach Ankara flüchten. Hunderte von Menschen folgen dem Beispiel der Abgeordneten, darunter auch der amtierende Kriegsminister General Fevzi Paşa.

Am 6. April wird Damad Ferid Paşa zum zweiten Mal ins Großwesirat berufen. Die britischen Besatzer zwingen den Şeyh-ül islam Dürrizade Abdullah Efendi am 10. April eine Fatwa (religiöses Rechtsgutachten) zu erstellen, das verschiedenen nationalistischen Gruppen in Anatolien zu Rebellen und für vogelfrei erklärt. Sein Vorgänger Haydarizade Ibrahim Efendi war zurückgetreten, weil er die Fatwa nicht unterschreiben wollte. In Anatolien wurde eine Gegenfatwa erstellt und von 84 Imamen unterschrieben sowie von 86 Ulemas. Die anatolischen Geistlichen erklärten eine erzwungene Fatwa für ungültig.[44] Sultan Vahideddin steht vor schweren Entscheidungen. Während das Osmanische Reich durch europäische Mächte besetzt ist, beruft eine revolutionäre Gruppe von ehemaligen Jungtürken in Ankara eine Nationalversammlung ein. Der Sultan sieht in den "Aufständischen" eine große Gefahr für den Islam. Der Umstand, dass auch führende Panturkisten wie Dr. Adnan Adıvar und Halide Edip sich an der Bewegung Mustafa Kemals beteiligen, bestätigen ihn in seiner Annahme. Britische Flugzeuge werfen die Fatwa auf Flugblättern in ganz Anatolien ab. Die Bewegung in Ankara muss um ihre Position fürchten, denn zwar besetzen die Nationalisten in Anatolien die Schlüsselpositionen und genießen die Unterstützung der geistigen Elite des Landes und der Armeeführung, aber die einfache Bevölkerung kann mit den "jungen Politikern in Ankara" und deren fremdartigen, beinahe blasphemischen Ideen nicht viel anfangen.[45] Die Bevölkerung kann sich nicht mit der von Ankara propagierten "türkischen Identität" anfreunden. So gibt der zeitgenössische Schriftsteller Yakub Kadri in seinem Roman "Der Fremdling" einen passenden Dialog zwischen einem Intellektuellen und einem Bauern wieder, der die Einstellung der Bevölkerung präzise wiedergibt: "Aber kann denn einer Türke sein und es nicht mit Mustafa Kemal Paşa halten? - Wir sind keine Türken, Herr. - Ja was seid ihr denn? - Wir sind Muslime, Alhamdulillah (Gott sei Lob und Dank)." In vielen Orten folgt man der Fatwa aus Konstantinopel und greift die Nationalisten auf offener Straße an. Tscherkessen vertrieben die Beamten Kemals aus den Städten Bolu und Düzce. Am 18. April 1920 beschließt die Regierung unter Damad Ferid eine neue Armee aufzustellen um die Nationalisten endgültig in ihre Schranken zu verweisen. Die "Ordnungstruppen" (Kuvâ-i İnzibâtiyye), die im Volk "Kalifatsarmee" (Hilafet Ordusu) genannt wurden, unterstanden dem Kriegsminister Şevket Süleyman Paşa und hatten die Zerschlagung der nationalen Bewegung sowie die Verhaftung und Tötung Mustafa Kemals als Ziel.[46] Aus den Erinnerungen von İsmail Hakkı Okday, dem Schwiegersohn des Sultans, ist zu entnehmen, dass die Aushebung einer neuen Armee dem Sultan gänzlich unbekannt war. Als der Sultan daraufhin Damad Ferid (in Anwesenheit von Ismail Hakkı Bey) zur Rede stellt, dementiert der Großwesir die Behauptungen mit den Worten: "Mein Großherr! Das ist eine große Lüge und ein großes Gerede! Diejenigen die ihrem Schwiegersohn diese Informationen gegeben haben, sind Lügner und Verräter. Dieser inhaltslosen Anschuldigung wird sofort nach gegangen." In Wirklichkeit organisierte der Großwesir mit englischer Hilfe den Aufbau dieser neuen Armee im großen Maße.[47]

Zur gleichen Zeit versammeln sich in Ankara die Delegierten zur Bildung eines neuen Parlaments. Die Abgeordnetenwahlen, die ohnehin nur in einigen wenigen Gebieten abgehalten werden, verlaufen ohne Zwischenfälle. Am 23. April 1920 wird in Ankara die Nationalversammlung eröffnet. 115 Abgeordnete von vorgesehenen 450 Abgeordneten erschienen zum Eröffnungstermin.[48] Am 24. April wählt die Nationalversammlung Mustafa Kemal zu ihrem Parlamentspräsidenten. Am 26. April lässt Kemal ans Volk eine Erklärung abgeben: "Wir, eure Vertreter, schwören bei Gott und dem Propheten, dass wir keine Aufständischen gegen den Sultan und das Kalifat sind. Unser einziges Ziel ist, unser Land vor dem Schicksal zu bewahren, das Länder wie Indien oder Ägypten ereilt hat." Als zweite Amtshandlung nimmt Kemal Kontakt mit den Bolschewiki in Moskau auf. Die Bolschewiki stellen der türkischen Nationalversammlung 5 Millionen Goldrubel und weitere Militärhilfe für den Befreiungskampf zur Verfügung.[49] Am 11. Mai 1920 verurteilt die osmanische Regierung unter englischem Druck Mustafa Kemal in dessen Abwesenheit zum Tode, was bei der einfachen Bevölkerung auf Zustimmung stößt.[50] Noch am selben Tag erhebt sich der tscherkessische Anführer Ahmed Anzavur und greift mit 500 Mann die Nationalisten in Bolu und Düzce an. Adapazarı und Geyve werden durch die Kalifatsarmee kontrolliert, die mit Anzavur zusammenarbeitet. Die Kalifatsarmee zählt 4000 Mann und ist Kemals Truppen deutlich überlegen. Am 25. April wird Mahmud Bey, Kommandant der 24. Division, durch die Kalifatsarmee getötet und seine Division gefangen genommen. Dabei geht die gesamte Ausrüstung der nationalen Armee verloren. Am 14. Mai erheben sich Freischärler in Yozgat und Tokat, die zum Kampf gegen Ankara aufrufen. Am 28. Mai gelingt es den Freischärlern ein ganzes Bataillon in die Flucht zu schlagen. Die Kalifatsarmee zieht triumphierend in die Städte Yozgat und Tokat ein und erobert später Zile. Am 24. Juni erobern sie Boğazlıyan und umzingeln Ankara. Kemal ernennt Ali Fuad Paşa zum Befehlshaber für die Operationen im nord-westlichen Anatolien und Refet Paşa zum Befehlshaber für die Operationen im Süd-Osten. Unterstützt werden die Nationalisten durch den Rebellenführer Çerkez Ethem der eine irreguläre Einheit, "die Feldstreitmacht" (Kuvay-i Seyyare), befehligt.[51] Anfang Juni 1920 greift die Kalifatsarmee die nationale Befreiungsarmee an. Es kommt zwischen den beiden Armeen zu heftigen Kämpfen. Gegen Ende des Monats gewinnt jedoch die nationale Befreiungsarmee die Oberhand. Sie schlägt die Aufstände in Anatolien nieder, dringt bis Izmit vor und schlägt die Kalifatsarmee am 14. Juni bei Sapanca. Sie wird anschließend von den Engländern entwaffnet und aufgelöst.[52] Doch das Hinterland Anatoliens wird immer noch von Freischärlern beherrscht, die sich Ankara nicht fügen wollen. Die Stadt Yozgat wird durch die sultanstreuen Çapanoğulları gehalten und kann erst durch die 2000 Mann starke Brigade des Çerkez Ethem erobert werden.

Der Vertrag von Sèvres und die Rückkehr von Enver Paşa

Am 10. August 1920 unterzeichnet die osmanische Delegation unter Großwesir Damad Ferid Paşa im Pariser Vorort Sèvres, den gleichnamigen Friedensvertrag. Der Vertrag teilt das Osmanische Reich in Interessenzonen auf, doch Mustafa Kemal weiß, dass die Siegermächte den Vertrag von Sèvres militärisch nicht durchsetzen können. Dazu haben sie in der Region weder die nötigen militärischen Mittel noch die Unterstützung in ihren eigenen Reihen. Der Vertrag wird gleich nach seiner Verabschiedung selbst von manchen britischen Politikern als "Totgeburt" bezeichnet. Tatsächlich unternehmen die Siegermächte in der Folgezeit keine ernsthaften Schritte, den Vertrag de facto umzusetzen.[53] Es gibt nur zwei Feinde in dieser Zeit, die für Ankara eine größere Bedrohung darstellen: Die Griechen im Westen und die Armenier im Osten. Doch bevor es zu offenen Kämpfen kommt, begibt sich eine Delegation aus Ankara unter Bekir Sami Bey nach Moskau. Ihre Aufgabe ist es, die Bolschewiki für den türkischen Befreiungskampf zu gewinnen und eine sowjetische Einmischung in die Ostanatolien-Politik zu verhindern. Aber auch eine unerwartete Person nahm neben Lenin an der Konferenz teil: Enver Paşa. Begab sich doch der ehemalige osmanische Kriegsminister nach Kriegsende nach Berlin und anschließend nach Moskau, um seinen Traum von einem türkischen Großreich Turan zu verwirklichen. Der Gegenspieler Kemals meldete sich wieder zu Wort. In einem Brief versichert Enver Kemal zwar, dass er nicht in seinen Befreiungskampf eingreifen werde, doch die Meldung von Envers Rückkehr verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Land. Bevor Enver Paşa das Osmanische Reich verließ, sorgte er dafür, dass die bereits offiziell aufgelöste Teşkilat-ı Mahsusa (der osmanische Geheimdienst) unter dem Namen "Allgemeine Revolutionäre Organisation der Islamischen Welt" (Umum Alem-i Islam Ihtilal Teşkilatı) weiter operierte. Enver war der Meinung, der Krieg sei noch nicht vorbei, und er beabsichtigte, die osmanische Niederlage mit Hilfe der Armee des Islams (Islam Ordusu), den Streitkräften, die er im Kaukasus unter seinem Onkel Halil Paşa (Kut) und seinem Bruder Nuri Paşa zusammengestellt hatte, umzuwenden. Mustafa Kemal Paşa muss wieder um seine Führungsrolle im Befreiungskampf fürchten, denn sein alter Rivale genießt weiterhin hohes Ansehen unter den jungtürkischen Offizieren, die nun unter ihm im Befreiungskampf dienen.[54] Envers Bemühungen, materiellen Rückhalt und die Unterstützung der Bolschewiken zu gewinnen, um im Kaukasus eine Armee aufzustellen und nach Anatolien zu führen, waren schließlich erfolglos, da die Bolschewiken am 16. März 1921 in Moskau mit der Regierung in Ankara einen Freundschaftsvertrag unterzeichneten.[55] Dennoch wartet Enver weiterhin auf seine Chance und verließ Moskau, um nach Batumi nahe der osmanischen Grenze zu gehen; er hoffte auf die Unterstützung von innen. Halil Paşa war eine Schlüsselfigur in den "Intrigen" um Envers Rückkehr nach Anatolien. Erst als die Armee Mustafa Kemals am 23. August 1921 bei Sakarya siegt und Kemals Führungsposition damit gefestigt ist, verlässt Enver Batumi Ende September mit seinen Gefolgsleuten und begibt sich nach Zentralasien.[56]

Militärische Operationen der Befreiungsbewegung

Die griechischen Erfolge im Juli 1920 schockierten die anatolische Bevölkerung. Der Fall der alten osmanischen Hauptstadt Bursa und der Stadt Balıkesir ließ sich auch nicht durch die Truppen Kemals verhindern. So besiegten die Griechen ohne große Verluste die Armee Ali Fuat Paşa's und drangen tief nach Anatolien vor. Auf dem europäischen Kontinent erobern griechische Truppen Thrakien und am 27. Juli Edirne, das ebenfalls in der Vergangenheit eine osmanische Hauptstadt war. Ende September 1920 beginnen die Armenier einen Krieg gegen die Befreiungsbewegung. Im türkisch-armenischen Krieg zeichnet sich der erfahrene General Kâzım Paşa aus, der mit vier Divisionen die Armenier in kurzer Zeit in Bedrängnis bringt. Im Oktober erobern die nationalen Truppen die ostanatolische Stadt Kars. Am 2. Dezember unterzeichnet die Regierung in Ankara mit dem kleinen armenischen Staat einen Friedensvertrag. Als Armenien sich der Sowjetunion anschließt, wird die Sowjetunion direkter Nachbar der entstehenden türkischen Nation. Allein im Jahr 1921 sollte die Sowjetunion Mustafa Kemal mit 33.273 Gewehren, 327 Maschinengewehre, 54 Geschütze, 20.000 Gasmasken und große Mengen an Munition.[57] Am 6. Januar beginnt die griechische Armee einen Angriff auf Eskişehir, die Kommandozentrale des Oberst Ismet Bey. Am 10. Januar kommt es zur Schlacht von Inönü, an einer gleichnamigen Eisenbahnstation, bei der die Befreiungsarmee siegt. Am 20. Januar 1921 wird in Ankara eine provisorische Verfassung verabschiedet. Ohne die Verfassung des Osmanischen Reichs außer Kraft zu setzen oder ihren Text zu ändern und ohne die Institution des Sultanats als solche in Frage zu stellen, erklärte das Verfassungsgesetz die Nation zum Souverän (Art. 1) und die Große Nationalversammlung zu dessen einzigem Repräsentanten (Art. 2). Hier wurde auch das erste Mal verfassungsrechtlich der "Staat Türkei" festgehalten und das Parlament in einem Gesetz als Große Nationalversammlung der Türkei bezeichnet. Das Osmanische Reich tauchte nicht mehr auf. Die Verabschiedung des Verfassungsgesetzes ohne Änderung der Verfassung des Osmanischen Reiches war im Parlament umstritten. Mustafa Kemal ersuchte noch im selben Monat Sultan Vahideddin die Regierung der Nationalversammlung anzuerkennen. Sie würde sodann eine Vertretung beim Sultan unterhalten, was Sultan Vahideddin jedoch ablehnte.[58] Am 21. Februar 1921 laden die Siegermächte die Istanbuler Regierung und die Regierung von Ankara zu einer Konferenz nach London ein. An der Konferenz nimmt der seit Oktober 1920 amtierende Großwesir Tevfik Paşa für die osmanische Regierung teil. Tevfik Paşa der 78 Jahre alt ist und mit einer schweren Grippe daniederliegt, hat die Mühe, am 23. Februar 1921 den Konferenzsaal im Londoner St. James Palast zu erreichen, er zittert vor Fieber am ganzen Körper und wird in Decken gehüllt. Kurz darauf erscheint die Delegation aus Ankara, und als Lloyd George den Großwesir gute Besserung wünscht und ihm das Wort erteilt, antwortet der alte Wesir, der sechzig Jahre seinem Sultan treu gedient hatte, mit zittriger, leiser Stimme: "Die wahren Vertreter unseres Volkes sitzen gegenüber; ich bitte, ihnen das Wort zu erteilen." Damit wurde die Ankara-Regierung nun auch international anerkannt.[59] Die Londoner Konferenz endet ergebnislos. Die Ankara-Delegation ist mit den Vorschlägen der Siegermächte nicht einverstanden und verlangt die sofortige Aufhebung der Besatzung. Italien und Frankreich bieten Friedensverträge an, die einen militärischen Abzug vorsehen. Doch die Delegation reist ohne Unterzeichnung nach Ankara zurück um erstmal über die Verträge zu beraten. Italien wartet jedoch nicht ab und zieht schon vor Unterzeichnung sämtliche Truppen aus Südanatolien ab. Der Befreiungsbewegung stand somit nur noch Griechenland als Feind gegenüber. Griechische Truppen begannen am 23. März 1921 eine Generaloffensive und wurden wieder bei Inönü durch die Befreiungsarmee zurückgeschlagen. Am 7. April besiegt Refet Paşa die griechischen Truppen bei Afyonkarahisar.

Ein Prinz in Anatolien: Die Rolle der Dynastie Osmân im Befreiungskrieg

Eine besondere Rolle nimmt die Herrscherfamilie Osman im Befreiungskrieg ein. Die englandfreundliche Haltung von Sultan Mehmed VI. Vahideddin Han wurde in der kemalistischen Geschichtsschreibung oft kritisiert, der Sultan selbst als Verräter dargestellt. Erst durch das Auftauchen von Telegrammen zwischen dem Sultan und Mustafa Kemal, konnte Licht ins Dunkel gebracht werden. Sultan Vahideddin,

 
Şehzade Ömer Faruk Efendi  

der Mustafa Kemal Paşa schon seit seiner Zeit als Kronprinz kannte, vertraute Mustafa Kemal mit einer Geheimmission den Aufbau einer nationalen Verteidigung an. So schreibt der Sultan ihm: "Die feindliche Armee ist im Glauben, dass Sie in Samsun Ruhe und Ordnung wiederherstellen sollen und auch in der Armee. Den wahren Grund [ihrer Mission] jedoch, werden nur Sie und ich kennen."[60] In einem anderen Telegramm wird Sultan Vahideddin ausführlicher: "Sollte ich als Padişah und Kalif nach Anatolien gehen müssen, so werden die Streitkräfte unserer Feinde in Panik geraten, über unser Vaterland herfallen und unser Land in ihre Gewalt bringen. Gehe du als Kommandant und wenn es sein muss, fungiere als Repräsentant meiner Person und meiner Regierung. Ermutige mein Volk!"[61] Sultan Vahideddin bleibt bei Kriegsende in der Hauptstadt. Die Vorschläge einiger Berater das Land mit dem Staatsschatz zu verlassen, lehnt der überzeugte Patriot Vahideddin vehement ab. Die Siegermächte besetzten Konstantinopel und begannen mit der Entwaffnung des Volkes. Der Sultan ließ nächtliche Diebstähle in den Waffenlagern anordnen um die erbeuteten Waffen im Dolmabahce Palast zu lagern. Ein U-Boot sollte die Waffen nach Samsun bringen, wurde jedoch durch das britische Geschwader entdeckt und zerstört. Sultan Vahideddin sieht es als seine Aufgabe, die Engländer in Konstantinopel zu binden, um den Aufbau einer Befreiungsbewegung in Anatolien erst zu ermöglichen. Als die Operationen Kemals in Anatolien durch die Engländer aufgedeckt werden, beorderte Sultan Vahideddin ihn wieder umgehend nach Konstantinopel zurück. Kemal kam den Befehlen nicht nach. Während die osmanische Regierung mit den Siegermächten kooperieren musste, verfolgte der Sultan die weiteren Ereignisse in Anatolien. Mit zunehmenden englischen Druck auf die osmanische Politik, wird der Sultan handlungsunfähig. Während die Befreiungsbewegung sich offiziell für den Schutz von Sultanat und Kalifat einsetzt, bemerkt Sultan Vahideddin die wahren republikanischen Absichten Kemals. Thronfolger Abdülmecid Efendi sympathisiert mit der Befreiungsbewegung und möchte sich persönlich daran beteiligen. Als die Nachricht im September 1920 Ankara erreicht, bildet sich eine breite Anhängerschaft die das Kommen des Prinzen erwartet. Doch Sultan Vahideddin entsendet nicht den militärisch unerfahrenen Abdülmecid Efendi, sondern dessen Sohn - Prinz Ömer Faruk Efendi. Der junge Prinz kämpfte während des Weltkrieges in Verdun und zeichnete sich durch mutiges und entschlossenes Handeln im Kampfe aus. Sultan Vahideddin Han beauftragte Ömer Faruk Efendi nach Anatolien zu reisen und die Führung der Befreiungsbewegung zu übernehmen: "Wenn die nationale Regierung die Verhandlungen gewinnt, wird man dann die osmanische Familie nicht als schuldig ansehen? Es muss auf jeden Fall ein Prinz (Şehzade) nach Anatolien geschickt werden, sodass auch die osmanische Familie das Recht hat sagen zu können, an der Befreiungsbewegung teilgenommen zu haben."[62] Am 25. April 1921 schreibt Şehzade Ömer Faruk Efendi einen Abschiedsbrief an seinen alten Weggefährten Ali Nuri Bey, dem Sohn des amtierenden Großwesirs Tevfik Paşa, mit folgendem Inhalt: "Mein lieber Ali Nur Bey! Man erreicht die Beruhigung der Seele nur, indem man sein Glück und Gut der Pflicht zum Opfer bringt. Und zwar einer Pflicht, die heutzutage jeder von uns dem Lande schuldig ist. So trenne ich mich mit schwerem Herzen von allen, die ich liebe, und verehre und bitte, auch meiner nicht zu vergessen. Prinz Ömer Faruk"[63] Mit einem Boot erreicht der Prinz am 26. April den Hafen von Inebolu. Die Stadt ist in Fahnen gehüllt. Die Bevölkerung feiert den Einzug des Prinzen - sehr zum Ärgernis der Regierung in Ankara. So gibt der Innenminister in Ankara die Anweisung an die örtlichen Beamten, den Prinzen freundlich aufzufordern wieder nach Konstantinopel zurückzukehren. Als die Beamten den Befehl nicht beachten, bricht Mustafa Kemal in Wut aus, warum der Prinz nicht sofort nach Konstantinopel zurückgeschickt wurde.[64] Enttäuscht kehrt Prinz Ömer Faruk zurück und erstattet Sultan Vahideddin im Yildiz Palast Bericht. Der Sultan erklärt daraufhin: "Ich wusste das sie dich nicht akzeptieren würden, mein Sohn. Jedoch hat Mustafa Kemal wieder einmal gezeigt, dass er gegenüber dem Sultanat und Kalifat schlechte Absichten hegt."[65] Die Popularität des Sultans blieb ungebrochen: Noch im Jahr 1921 wurde in Erzurum eine Parade anlässlich des Geburtstages des Monarchen abgehalten. Bis zum November 1922 wurde in allen Moscheen Anatoliens im Fürbittengebet am Freitag der Name von Sultan Mehmed Vahideddin erwähnt.[66]

Von Sakarya zur endgültigen Befreiung Anatoliens

Im Juli 1921 ging die griechische Armee wieder in die Offensive. Die Befreiungsarmee musste sich in der Schlacht von Kütahya und Eskişehir zurückziehen. Nach einer Niederlage wurde Mustafa Kemal zum Oberkommandierenden der Armee ernannt und mit fast diktatorischen Vollmachten ausgestattet.[67] Am 7. und 8. August 1921 wurde die nationale Mobilmachung (Tekalif-i Milliye) ausgerufen. Die Bevölkerung war damit verpflichtet, dem Militär alle benötigten Materialien und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Truppen unter Mustafa Kemal errangen am 23. August in der Schlacht von Sakarya einen wichtigen Sieg, bei dem die Griechen 30.000 Tote zu beklagen hatten. Nach diesem Sieg zogen sich die französischen Truppen aus der Türkei zurück und gaben am 20. Oktober 1921 mit der Unterzeichnung des Franklin-Boullon-Abkommens (Vertrag von Ankara) ihre Gebietsansprüche auf. Am 30. August 1922 besiegt die Befreiungsarmee die griechischen Streitkräfte endgültig in der Schlacht von Dumlupınar. Nachdem sich der Sieg der Befreiungsarmee immer deutlicher abzeichnet, plädieren die Sichermächte für einen Waffenstillstandsvertrag. Mustafa Kemals Bedingung ist eine Anerkennung der Thrakiengrenze von 1914, die Freilassung aller gefangenen Soldaten und Reparationszahlungen für die letzten zwei Kriegsjahre. Am 9. September erobern die Truppen Kemals Izmir und am 10. September Bursa zurück. Am 12. September 1922 wird zwischen England und der Regierung in Ankara ein Waffenstillstand geschlossen. Am 23. September schlagen die Siegermächte der Ankara-Regierung Verhandlungen über einen türkisch-griechischen Waffenstillstand vor. Am 11. Oktober wird der Waffenstillstand von Mudanya unterzeichnet. Die griechische Seite verpflichtet sich, ihre Truppen bis hinter die Maritza-Grenze (1914) zurückzuziehen und ganz Thrakien zu räumen. Die "türkische Seite" (Ankara) verzichtet ihrerseits auf Karaağaç, einen Vorort von Edirne, und auf Westthrakien, das von der griechischen Armee besetzt gehalten wird. Am 17. Oktober 1922 laden die Siegermächte die Regierung in Ankara zu Friedensverhandlungen in die neutrale Schweiz nach Lausanne ein. Mustafa Kemal ernennt Oberst Ismet Bey zum Verhandlungsführer, er wird begleitet von Fevzi Paşa. Premierminister Rauf Bey, dem eigentlich die Verhandlungsführung zustand, fühlt sich zu Recht übergangen. In Ankara bildet sich eine immer deutlichere Opposition gegen Kemal, angeführt von Rauf Bey, der von Kâzım Paşa, Refet Paşa und Ali Fuat Paşa unterstützt wird. Am 19. Oktober zieht Refet Paşa triumphierend in Istanbul ein.

Die Abschaffung des Sultanats und das Ende des Osmanischen Reiches

Zu der Konferenz in Lausanne ist auch die osmanische Regierung in Istanbul eingeladen. Großwesir Tevfik Paşa möchte gerne mit Mustafa Kemal Paşa Absprachen halten, der ist jedoch nicht bereit einen Kompromiss einzugehen. Erst am 29. Oktober kommt es zu einem Treffen zwischen Sultan Mehmed VI. Vahideddin Han und Refet Paşa im Yildiz Palast. Refet Paşa bekundet Sultan Vahideddin seine Treue und bot ihm an, seine Position und Person zu schützen, wenn er die Regierung in Ankara anerkennen würde. Der Sultan antwortete, dass er es sich überlegen werde, änderte jedoch seine Entscheidung, nachdem er Beleidigungen gegen seine Person von Seiten Mustafa Kemals las. In Ankara will Mustafa Kemal endgültig dem Osmanischen Reich den Todesstoß setzen. Am 1. November wird in der Großen Nationalversammlung der Antrag zur Abschaffung des Sultanats eingereicht. Doch zur großen Verwunderung Kemals, weigert sich eine große Mehrheit der Abgeordneten dem Antrag zu zustimmen. Auch in der engsten Gefolgschaft um Mustafa Kemal ist der Gedanke das Sultanat abzuschaffen nicht kompatibel mit der Vorstellung vieler Generäle. So äußert sich Rauf Bey in dieser Frage: "Ich bin mit Herz und Seele dem Thron und dem Kalifat ergeben, weil mein Vater Wohltaten von dem Padişah zuteil geworden sind und er zu den Würdenträgern des Osmanischen Reiches gehörte. Die Erinnerung an diese Wohltaten fließt in meinem Blut. Ich bin kein Undankbarer und möchte es nicht werden. Für mich ist es eine Pflicht, dem Padişah treu zu bleiben." Refet Paşa bezieht ebenfalls Stellung: "Tatsächlich kann bei uns von einer anderen Regierungsform als der des Sultanats und des Kalifats nicht die Rede sein."[68] Ebenso reagieren Ali Fuat Paşa und Kâzım Paşa. Um seinen Antrag durchzusetzen, droht Kemal den Abgeordneten im Parlament wie ein Diktator: "Meine Herren, die Herrschaft wird niemandem als Folge einer weisen Entscheidung, eines Meinungsaustauschs oder einer Diskussion verliehen. Eine Herrschaft erringt man mit Kraft, Ehrgeiz und Gewalt. Die Söhne Osmans nahmen die Herrschaft über das türkische Volk ebenfalls mit Gewalt an sich. Diese korrupte Art behielten sie fünfhundert Jahre lang bei. Nun hat das türkische Volk diesen Vergewaltigern Halt eingeboten und die Herrschaft wieder an sich gerissen. Dies ist eine selbstverständliche Tatsache. Das Problem ist nicht, ob wir dem Volk die Herrschaft überlassen oder nicht. Denn das wird auf alle Fälle geschehen. Wenn die Nationalversammlung, die sich heute hier versammelt hat, dafür stimmt, ist dieses Problem gelöst. Wenn das nicht geschieht, dann wird die Wahrheit wieder auf die Art und Weise gefunden werden, wie es üblich ist. Aber wahrscheinlich werden in diesem Fall einige Köpfe rollen." Anschließend fügt er unmissverständlich hinzu, welches Ergebnis er bei der Abstimmung erwartet: "Ich glaube, dass die Nationalversammlung die Prinzipien, die die Unabhängigkeit des Landes und der Nation für immer bewahren werden, einstimmig annehmen wird."[69]
Die Nationalversammlung beschließt mit nur zwei Gegenstimmen die Abschaffung des Sultanats. Am 4. November 1922 löst sich die Regierung unter
Großwesir Tevfik Paşa und besiegelt somit das Ende des Osmanischen Reiches nach 622 Jahren.

Kurz nach der Abschaffung des Sultanats, entführen nationalistische Agenten den ehemaligen osmanischen Innenminister Ali Kemal Bey, der später durch einen aufgebrachten Mob getötet wird. In Istanbul kommt es zu Übergriffen an Beamte, die der osmanischen Regierung weiterhin Dienste geleistet hatten. Am 16. November 1922 klagt die Große Nationalversammlung Sultan Mehmed VI. Vahideddin Han, 36. Sultan des Osmanischen Reiches, wegen Hochverrats an. Die Anklage trifft den Monarchen sehr. So äußert er sich in der Gegenwart seiner Tochter Sabiha Sultan: "Wir können alles sein. Wir können sogar eine veraltete, unfähige und fehlerhafte Regierung eingesetzt haben, aber wie können wir Osmanoğlu (Nachfahren Osmans) Verräter sein? Wie kann Mustafa Kemal Paşa, der uns so gut kennt, dies behaupten?"[70] Der osmanische Diplomat Rıza Tevfik Bölükbaşı schilderte die Situation mit folgenden Worten: "Mustafa Kemal Paşa ist gekommen um den Sultan zu stürzen und zu ermorden. Diese "türkische Revolution" war eine Kopie der Französischen Revolution. Und das, was Ludwig XVI. durch die Franzosen erfuhr, sollte Sultan Vahideddin ebenso durch die Türken erfahren. Revolutionäre kennen keinen anderen Weg."[71] Noch am selben Tag des 16. Novembers 1922 stellt der Sultan einen Asylantrag an den britischen General Harrington: "Da ich in Istanbul mein Leben in Gefahr sehe, stelle ich beim englischen Staat Asylantrag und bitte um die Verlegung meiner Person von Istanbul an einen anderen günstigen Ort."[72] In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1922 verlässt der letzte Sultan des Osmanischen Reiches mit seinem Sohn, Şehzade Mehmed Ertuğrul Efendi, seinem Barbier, seinem Arzt und einigen Adjutanten auf dem englischen Kriegsschiff "Malaya" Konstantinopel. Sultan Vahideddin dankte nie als Sultan ab und sandte ein Telegramm nach Ankara mit den Worten: "Ich bin nicht geflohen. Ich bin emigriert."[73] Es war ein Verweis auf die Situation des Propheten Muhammed im Jahr 622 n. Chr., als der Prophet von Mekka nach Medina emigrierte. 622 Jahre hatte das Osmanische Reich bestand und Sultan Vahideddin erhoffte zeit seines Lebens eine Rückkehr in die Türkei. Er selbst ließ sich im italienischen San Remo nieder, wo er 1926 starb.
"Der einzige der fähig war meinen Staat zu retten war Mustafa Kemal. Ich habe ihm diese Aufgabe gegeben. Er war aber untreu und ist uns in den Rücken gefallen. Das Volk hat Frieden gefunden jedoch ist die Dynastie zerstört worden." - Sultan Mehmed VI. Vahideddin, 1923[74]
 


[1] Şefik Okday: Der letzte Großwesir und seine preußischen Söhne, 1991, S. 87
[2] Gotthard Jäschke: Kemal Atatürk, ein großer Revolutionär und Diplomat, 1956
[3] Guenter Lewy: Der armenische Fall, 2009, S. 95-96
[4]
Halil Gülbeyaz: Mustafa Kemal Atatürk - vom Staatsgründer zum Mythos, 2003, S. 69
[5] s. Jäschke

[6]
Taner Akcam: Armenien und der Völkermord, 2004, S. 108
[7] Gotthard Jäschke: Aus der Geschichte des Islamischen Orients, 1949, S. 30 zitiert und übersetzt aus "Milli Mücadele Hatıratı" (Erinnerungen an den nationalen Widerstand) von Ali Fuat Paşa (Cebesoy) vgl. Vehbi Vakkasoglu: Son Bozgun 1, S. 134-135
[8]
Gülbeyaz S. 73
[9] Volkan/Itzkowitz: Ölümsüz Atatürk, 1965, S. 174

[10]
Gülbeyaz S. 72
[11]
Şevket Süreyya Aydemir: Tek Adam I, 1965, S. 370
[12]
Mustafa Kemal: 1919 yılı Mayısının 19'uncu günü Samsun'a çıktım, 1999, S. 20
[13]
Cem Özgönül: Der Mythos eines Völkermordes, 2006, S. 53
[14] Hilmi Yücebaş: Atatürk'ün Nükteleri, Fıkraları, Hatıraları, 1973, S. 49
[15] Irfan Orga: Phoenix Ascendant, 1958, S. 60
[16]
Prof. Dr. Ayşe Afet İnan: Türkiye Cumhuriyeti ve Türk Devrimi, 1991, S. 28
[17]
Prof. Dr. Ayşe Afet İnan: Atatürk'ten yazdıklarım, 1969, S. 22
[18]
İnan, Türkiye Cumhuriyeti, S. 29
[19]
Sabahattin Selek: Milli Mücadele - Erzurum'da Gergin Günler, 1999, S. 9
[20] Selek, S. 11
[21] Selek, S. 12
[22] Gotthard Jäschke:
Kurtuluş Savaşı İle İlgili İngiliz Belgeleri II., 2001, S. 9
[23] Jäschke, S. 7
[24] Andrew Mango: Atatürk, 1999, S. 229
[25] Jäschke, S. 54

[26]
Mustafa Kemal: Der Weg zur Freiheit 1919-1920, 1981, S. 9
[27] Selek S. 56
[28] Prof. Dr. Yurdakul Yurdakul: Atatürk'ten Hiç Yayınlanmamış Anılar, 2005, S. 57
[29]
Kâzım Karabekir: Istiklal Harbimiz, 1959, S. 73
[30]
Gülbeyaz, S. 84
[31] Karabekir, S. 76
[32] Selek, S. 134
[33]
Selek, S. 140
[34] Gülbeyaz, S. 87
[35]
Mete Tuncay: Türkiye Cumhuriyetinde tek Parti yönetiminin kurulmasi, 1989, S. 23
[36]
Kemal: Der Weg zur Freiheit, S. 128
[37]
Mustafa Kemal: Eskişehir-İzmit Konuşmaları (1923), 1993, S. 117
[38] Gülbeyaz, S. 90
[39]
Mango, S. 251
[40]
Tülay Duran: Son Osmanlı Meclis-i Mebusanında "Felah-ı Vatan İttifakı" in Belgelerle Türk Tarihi Dergisi 61, S. 12-13
[41] Udo Steinbach: Die Türkei im 20. Jahrhundert, 1996, S. 108
[42] Gülbeyaz, S. 93
[43]
Kemal: Der Weg zur Freiheit, S. 396
[44] Kadir Mısıroğlu: Sarıklı Mücahitler, 1980, S. 297-307
[45]
Gülbeyaz, S. 96
[46] Gülbeyaz, S. 98
[47] Murat Bardakçı: Şahbaba: Osmanogulları'nın son hükümdarı VI. Mehmed Vahideddin'in hayatı, hatıraları, ve özel mektupları, 1998, S. 179
[48] Ihsan Ezherli: TBMM (1920-1992) ve Osmanlı Meclis-i Mebusanı (1877-1920), 1992, S. 141
[49] Mango, S. 272
[50] Gülbeyaz, S. 95
[51]
Kemal: Die nationale Revolution, S. 10-15
[52]
Gotthard Jäschke: Mustafa Kemal und England in neuer Sicht, 1975, S. 212
[53] Gülbeyaz, S. 102
[54] Erik Jan Zürcher: The Unionist factor, 1984, S. 83-94
[55] Zürcher, S. 123
[56] Zürcher, S. 130
[57] Johannes Glasneck: Kemal Atatürk und die Moderne Türkei in
Dokumenty vnesnej politiki SSSR, Bd. 2, S. 555
[58]
Gottfried Plagemann: Von Allahs Gesetz zur Modernisierung per Gesetz - Gesetz und Gesetzgebung im Osmanischen Reich und der Republik Türkei, 2010, S. 140-141
[59] Okday, S. 98-99
[60]
Turgut Özakman: Vahidettin, M. Kemal ve milli mücadele: yalanlar, yanlışlar, yutturmacalar, 1997
[61] siehe Özakman
[62] Niyazi Ahmet Banoğlu: Nükte ve fıkralarla Atatürk, 1954
[63] Okday, S. 107
[64]
Kadir Mısıroğlu: Kurtuluş Savaşında Sarıklı Mücahidler, 2007, S. 45-75
[65] ebenda Mısıroğlu
[66] Gotthard Jäschke: Nationalismus und Islam im türkischen Unabhängigkeitskriege, Zeitsch. f. Kulturaustausch, S. 127
[67] Gülbeyaz, S. 120
[68] Glasneck, S. 150
[69] Mustafa Kemal Atatürk: Söylev Cilt I-II, 1999, S. 337
[70] Bardakçı: Şahbaba, S. 508
[71] Andrew Mango: From the Sultan to Ataturk: Turkey, 2010, S. 153
[72]
İnan: Atatürk'ten yazdıklarım, S. 27
[73] Mango, S. 154
[74] vgl. Rumeysa Aredba, Edadil Açba: Sultan Vahdeddin'in San Remo Günleri, 2009

 

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