Interregnum

 

Nach der Gefangennahme von Sultan Bayezid I. Han, floh das geschlagene osmanische Heer in vielen kleinen Gruppen von Angora (Ankara) an die Ägäis. Die Überlebenden setzten mit venezianischen und genuesischen Schiffen nach Europa über. Somit waren die anatolischen Besitztümer ohne Schutz und Herr und standen dem siegreichen Timur Lenk offen. Dieser marschierte weiter nach Kütahya und in die anderen oghusischen Beyliks an der Ägäis. Es scheint, als seien auch die beiden Söhne Bayezids, Musa und Mustafa, von Timur Lenk gefangen genommen und später freigelassen worden. Sultan Bayezid I. starb im März 1403 bei Aksehir. Danach kehrte Timur nach Zentralanatolien zurück, um eine Invasion in China vorzubereiten. Er starb jedoch 1404 ohne den Plan umsetzen zu können. Timur ließ Anatolien in einer Lage zurück, die jener glich, bevor Bayezid Ende des 14. Jahrhunderts zahlreiche Beyliks erobert hatte. Der größte der unabhängigen Staaten war erneut Karaman. Timur erhoffte sich nun in diesem treuen Bündnisgenossen, einen Vasallen gefunden zu haben, der als Pufferzone zwischen dem osmanischen und dem timuridischen Reich diene. Es entfesselte sich jedoch eine blutiger Bürgerkrieg im Osmanischen Reich, als der Tod des Sultans bekannt wurde.

Bürgerkrieg

Die Loyalität gegenüber dem Hause Osman blieb auch nach dem Rückschlag durch die Timuriden stark. Es gab keine Versuche, die osmanische Herrschaft während des Bürgerkrieg abzuschütteln. Während die osmanische Armee tief ins Herz von Europa eindrang, marschierten die Armeen der Söhne Bayezids mitten im Reich gegeneinander. Der osmanische Chronist Dervisch Ahmed schrieb dazu: "Von fünfen ist das Schicksal bekannt: einer aber blieb verschollen. Die Fünf waren Emir Süleyman, Mehmed, Isa, Musa und Kasım. Kasım war ganz klein und noch im Saray. Derjenige, der verschollen blieb, war Mustafa."
Emir Süleyman herrschte auf den europäischen Gebieten des Osmanischen Reiches, mit der Hauptstadt Edirne. Er hatte die christlichen Vasallen auf seiner Seite. Isa beherrschte das osmanische Kernland um Bursa, Mehmed wiederum die restlichen Gebiete Anatoliens um Amasya. Musa erhielt keinen Teil des zerfallenen Reiches und blieb in Kütahya, im Beylik Germiyan. Lange sah es so aus, als würde Emir Süleyman neuer Sultan des Reiches werden, da er der älteste Sohn Bayezids und der fähigste Kommandeur auf dem Schlachtfeld war. Die frühen europäischen Geschichtsschreiber haben ihn als Sultan anerkannt und seine Brüder als "Gegensultane" abgestempelt. So ging er für damalige Chronisten als "Süleyman I." in die Geschichtsbücher ein, der von 1402 bis 1411 regierte. Diese Zählung wurde im nachhinein nicht von osmanischen Chronisten angenommen, sodass das Osmanische Reich von 1402 bis 1413 keinen Sultan hatte. Das Spiel wurde von Bruder Mehmed eröffnet: er marschierte 1403 westwärts, um Isa zu besiegen und Nordwestanatolien zu überrennen. 1404 kehrte Isa von der europäischen Seite der Meerenge zurück, wobei Mehmed ihn erneut schlug. Nach seiner Niederlage gegen Mehmed 1404 unternahm Isa einen letzten Versuch und ging ein Bündnis mit den Beyliks Aydin, Saruhan, Mantese und Teke ein. Er wurde jedoch trotzdem erneut besiegt und verschwand aus der Geschichte. Damit war Isa aus dem Rennen ausgeschieden. Nach einer Revolte in Izmir, erklärt der Lokalfürst Cüneyt Bey seine Unabhängigkeit und gründet das Fürstentum Aydin. Dieser war den Brüdern ein Dorn im Auge, da er den "falschen Mustafa" überstützte, der sich des Thrones bemächtigen wollte, aber erfolglos blieb.
Süleyman überfiel 1406 die Territorien seiner Brüder und der mit ihnen verbündeten Beyliks in Anatolien. Obschon dieser Feldzug erfolgreich war, schmiedete Mehmed eine Allianz mit Karaman und schickte seinen Bruder Musa in die Walachei, von wo aus dieser wiederum in Rumelien einfiel. Süleyman musste sich über die Meerenge zurückziehen, um nun Musa in Thrakien zu besiegen. Mehmed kontrollierte nunmehr ganz Anatolien, und Süleyman herrschte bis 1410 in Rumelien, als Musa erneut die europäischen Provinzen überfiel, Süleyman bei Edirne besiegte und tötete. Musa, der Anfangs ohne Land, von allen Brüdern wohl die schlechteste Karte gezogen hatte, war nun Herr von ganz Rumelien und den europäischen Provinzen. Von den Brüdern blieben nur noch Musa und Mehmed übrig. Mehmed drang nach Rumelien vor, wurde aber von Musa geschlagen und musste sich nach Asien zurückziehen. Erst 1413 besiegte Mehmed seinen Bruder, mit einer Allianz zwischen Byzanz (Konstantinopel) und Serbien und dem Fürstentum Dhu l-Qadir im Osten, bei Samokov in Rumelien. Somit bestieg Mehmed I. Han den osmanischen Thron als Alleinherrscher.

 

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