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Die
Lebensführung der Osmaninnen im damaligen
Osmanischen Reich, ist wohl eines der
unbekannten Kapiteln osmanischer Geschichte.
Seit dem 14. Jahrhundert richteten sich
muslimische Ehefrauen an die Gebote des
Korans und der Kanunname (weltliche
Gesetze), die bestimmte Schranken und
Vorraussetzungen vorgaben. So war die
Ehefrau für den Haushalt zuständig, während
der Ehemann die Pflicht hatte die Familie zu
versorgen. Der Harem des osmanischen Sultans war eine
Einzigartigkeit, und kann deshalb hier nicht
als Maßstab für andere Familienstrukturen
genommen werden. Ein weiterer Unterschied
bestand zwischen den Frauen der Oberschicht
(Stadtbevölkerung) und der Unterschied
(Landbevölkerung):
Während in der Oberschicht eine strikte
gesellschaftliche Geschlechtertrennung
eingehalten wurde, wo selbst in den
städtischen Häusern eigens eingerichtete
Bereiche für Männer (selamlik) und Frauen (haremlik)
vorhanden waren, konzentrierten sich die
Landfrauen (insbesondere Händlerinnen) eher
auf ihre Arbeit. In der Unterschicht mussten
Mann und Frau die Familie ernähren, da sonst
die Existenz gefährdet gewesen wäre. Die
Oberschicht hingegen traf sich mit Nachbarn
und Freunden zu gemeinsamen Kreisen in den
eigenen Häusern, zu Veranstaltungen (z.B.
die Henna-Nacht) oder im Hamam. So trugen
die Damen der Oberschicht einen dünnen
Gesichtsschleier, der ihren hohen Rang
verdeutlichte, während die ländlichen Frauen
eine einfache Kopfbedeckung trugen, wie es
heute noch in Anatolien zu sehen ist. Die
Burka, welche zum größten Teil in
Afghanistan/Pakistan verbreitet ist, kannten
die Osmaninnen nicht. Erst in der
Tanzimat-Zeit im 19. Jahrhundert, setzte
sich Sultan Abdülmecid I. für moderne
Frauenrechte ein. Seine Nachfolger (Sultan
Abdülaziz, Sultan Abdülhamid II. und Sultan
Mehmed V.) führten sein Werk fort. Erst mit der Jungtürken-Revolution 1908
forderten die osmanischen Frauen mehr
Mitspracherecht und organisierten sich zu
Verbänden. 1913 wurde die "Gesellschaft zur
Verteidigung der Rechte der Frauen (Müdafaa-i
hukuk-i nisvan cemiyeti) von Nuriye Ulviye
in Istanbul gegründet. Mitglieder waren
nicht nur osmanische, sondern auch
ausländische Frauen. Das Hauptanliegen
dieser Gesellschaft war, dass die Frauen am
Arbeits- und Sozialleben teilnehmen und
durch Privatschulen, Bücher, Zeitungen und
Konferenzen aufgeklärt werden sollten. In
Versammlungen der "osmanischen
Feministinnen" wurde nicht nur Politik oder
Bildung angesprochen, sondern auch
Sexualität. Die Gesellschaft gab eine
illustrierte Wochenzeitung unter dem Namen "Kadınlar
Dünyası" (dt. "Welt der Frauen") heraus, die
von 1913 bis 1921 mit Unterbrechungen
erschien, deren Artikel nur von Frauen
geschrieben wurden. Nuriye Ulviye
verteidigte die Rechte und Interessen der
Frauen und öffnete sich allen osmanischen
Frauen ungeachtet ihrer ethnischen oder
religiösen Zugehörigkeit. Auch während des
1. Weltkrieges blieben die Feministinnen
nicht ungeachtet, sodass der Hukuk-i Aile
vom Parlament ausgestellt wurde, der Mann
und Frau im Zivilrecht gleichstellte.
Große Aufmerksamkeit erhielten die
osmanischen Frauen, als der Gülhane-Park in
Istanbul angelegt werden sollte. Während
Enver Paşa sich für
ein Besuchsverbot des Parks für Frauen
aussprach, setzten sich Dr. Cemil Topuzlu
Paşa
und Cemal Paşa
für die Frauen ein.
Marineminister Cemal Paşa
äußerte sich diesbezüglich: "Wenn also
Dr. Cemil Paşa daran
denkt, dass auch die Frauen an die frische
Luft kommen, so setze er für diese einen
gesonderten Tag fest. In der Zukunft sorgen
wir dafür, dass Männer und Frauen gemeinsam
in den Park gehen können."
Daraufhin einigte man sich auf einen
gesonderten Tag für Frauen, um das Projekt
nicht länger hinauszuzögern. Während des Befreiungskrieges (1919-1922)
schlossen sich große Teile der
Frauenbewegungen den Kemalisten in Ankara an.

Bedriye Osman und die Frauen der
"Dersaâdet Telefon
Anonim Şirket-i Osmâniyesi"
Zeittafel:
1843:
Osmanische
Frauen konnten erstmalig am Sozialleben
teilnehmen und eine Schulung zur Hebamme auf
der medizinischen Fakultät (Mekteb-i
Tıbbiye-i Adliye-i Şahane)
besuchen.
1847: Mit dem Irade-i Seniye
wurden Männern und Frauen ein gleichberechtigtes Erbrecht eingeräumt.
1856: Im Osmanischen Reich
wird das
Verkaufen und Versklaven von Frauen
verboten.
1858: Durch das Arazi Kanunnamesi (Land-
und Grundstücksgesetz) wurde die Gleichheit
von Männern und Frauen vor dem Erbrecht
bestätigt. Frauen durften geerbte
Grundstücke beziehen.
1869: Die
Frauenzeitung 'Terakk-i
Muhadderat' wird veröffentlicht.
Durch das 'Maarif-i Umumiye
Nizamnamesi Gesetz wurden Mädchen Schulpflichtig, ein Jahr später wurde dann
auch eine Schule 'Dar-ül Muallimat' für
Mädchen errichtet die diese zu Lehrkräften
ausbildete.
1871: Durch das Familiengesetz
"Hukuk-ı
Aile Kararnamesi" durften Eheschließungen nur
noch von den Standesämtern
geschlossen werden. Das Alter für
Eheschließungen wurde bei Männern auf 18, bei Frauen
auf 17 Jahre angesetzt. Außerdem wurden Eheschließungen die
unter zwang geschlossen wurden, als nichtig
angesehen.
1876: Die osmanische
Verfassung Kanun-i Esasi bestätigt die
Schulpflicht von Jungen und Mädchen.
1890: Eröffnung des
amerikanischen Mädchen Colleges in Istanbul.
1897: Frauen werden
erstmalig gegen Lohn beschäftigt und traten
somit ins industrielle Arbeitsleben.
1913: Die ersten
Frauen bekleiden Ämter in Behörden und
werden Teil des osmanischen Beamtentums.
1914: Sultan Mehmed V.
Resad eröffnet die erste Hochschule für
Mädchen (İnas Darülfünunu /Kızlar
Üniversitesi).
1917:
Durch
den Hukuk-i Aile-Erlass wurden im Zivilrecht Mann und Frau
gleichgestellt. Frauen erhielten das Recht auf Scheidung.
1922: 7 Frauen
schreiben sich in die wissenschaftliche
Fakultät ein.

Professor Emre Dölen mit
Professorin
Nuran Yıldırım
Berühmte Osmaninnen:
Fatma
Aliye Hanım (1862-1936), osmanische
Schriftstellerin, Journalistin und
Feministin
Halide
Edip Adıvar (1884-1964), osmanische
Schriftstellerin und Feministin
Nuriye
Ulviye Mevlan (1893-1964), osmanische
Schriftstellerin, Feministin und Gründerin
der "Gesellschaft zur Verteidigung der
Rechte der Frauen" (Müdafaa-i hukuk-i nisvan
cemiyeti)
Belkıs
Şevket Hanım, erste osmanische Pilotin
Safiye
Ali (1891-1952), erste osmanische
Medizinerin
Leyla
Saz Hanım (1845-1936), osmanische
Komponistin
Bedriye
Osman, Leiterin der "Dersaâdet Telefon
Anonim Şirket-i Osmâniyesi"
Afife
Jale (1902-?), erste osmanische
Theaterschauspielerin
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