Nachrichten Osmanen-Revival in der Türkei

Osmanen-Revival in der Türkei

Nachfahren der Sultane klagen auf 18 Milliarden Dollar Entschädigung für Enteignungen

von Boris Kálnoky

Istanbul - Die Herrscherdynastie des Osmanischen Reiches versank nach der Gründung der modernen Türkei im Abgrund der Geschichte. Die Nachfahren der Sultane verstreuten sich in alle Welt: Die Türkei entzog ihnen die Staatsbürgerschaft und ihren Besitz. Das Volk sollte vergessen, dass es einmal osmanisch war, und dazu gehörte, die Angehörigen des Hauses Osman selbst zu vergessen.

Seit die islamisch geprägte AKP regiert, besinnt man sich jedoch mit wachsender Begeisterung auf alles Osmanische: Damals war man ein Weltreich, Europa zitterte vor den Türken. Nun sind die Osmanen wieder populär, und die Nachfahren der Sultane wollen abkassieren: 18 Milliarden Dollar fordern sie vom türkischen Staat. Es geht um 4200 Immobilien, die einst Mitgliedern des Hauses Osman gehörten - wie der Dolmabahce-Palast in Istanbul, der immer noch für Staatsempfänge genutzt wird, und der Topkapi-Palast am Goldenen Horn.

Laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" haben 48 Erben der Dynastie ein gerichtliches Schadenersatzverfahren begonnen, die erste Anhörung fand vergangene Woche statt. Der nächste Gerichtstermin ist für den 30. September angesetzt. Alle 48 Kläger wollen persönlich anwesend sein und bei der Gelegenheit ein riesiges Familienfest feiern: Über 70 Nachfahren des letzten Sultans, Abdülhamid II., werden sich in Istanbul ein Stelldichein geben. Präzedenzfälle für eine Entschädigung oder teilweise Rückgabe gibt es genug: Auch Simeon von Bulgarien und Michael von Rumänien erhielten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus Teile des enteigneten Besitzes ihrer Vorfahren zurück.

Wenn die Osmanen ihren Prozess gewinnen, wollen die Erben auf fast alle Ansprüche verzichten. Staat und Militär sollen behalten, was sie nutzen. Für den Rest fordert die Familie Schadenersatz, für die Erben und zur Verwendung für eine Stiftung zur Wahrung des kulturellen Erbes der Dynastie.

Quelle: die Welt, 19.6.2010 Titelseite

 

Gästebuch | Impressum

  Copyright © 2009 - 2010 by www.Ottoman-Club.com