Seit die islamisch
geprägte AKP regiert,
besinnt man sich jedoch
mit
wachsender Begeisterung
auf alles Osmanische:
Damals war man ein
Weltreich, Europa
zitterte vor den Türken.
Nun sind die Osmanen
wieder populär, und die
Nachfahren der Sultane
wollen abkassieren: 18
Milliarden Dollar
fordern sie vom
türkischen Staat. Es
geht um 4200 Immobilien,
die einst Mitgliedern
des Hauses Osman
gehörten - wie der
Dolmabahce-Palast in
Istanbul, der immer noch
für Staatsempfänge
genutzt wird, und der
Topkapi-Palast am
Goldenen Horn.
Laut einem Bericht der
Zeitung "Hürriyet" haben
48 Erben der Dynastie
ein gerichtliches
Schadenersatzverfahren
begonnen, die erste
Anhörung fand vergangene
Woche statt. Der nächste
Gerichtstermin ist für
den 30. September
angesetzt. Alle 48
Kläger wollen persönlich
anwesend sein und bei
der Gelegenheit ein
riesiges Familienfest
feiern: Über 70
Nachfahren des letzten
Sultans, Abdülhamid II.,
werden sich in Istanbul
ein Stelldichein geben.
Präzedenzfälle für eine
Entschädigung oder
teilweise Rückgabe gibt
es genug: Auch Simeon
von Bulgarien und
Michael von Rumänien
erhielten nach dem
Zusammenbruch des
Kommunismus Teile des
enteigneten Besitzes
ihrer Vorfahren zurück.
Wenn die Osmanen ihren
Prozess gewinnen, wollen
die Erben auf fast alle
Ansprüche verzichten.
Staat und Militär sollen
behalten, was sie
nutzen. Für den Rest
fordert die Familie
Schadenersatz, für die
Erben und zur Verwendung
für eine Stiftung zur
Wahrung des kulturellen
Erbes der Dynastie.
Quelle: die Welt,
19.6.2010 Titelseite